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Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-25 · Heft 18 (25.6.1919) · p. Seite 385

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 18 (25.6.1919)
Article
Zwei Tagungen
Date
1919-06-25
Page
Seite 385 (sequence 4)
Language
German
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.383 sinnung als positiven Progranimpunkt aufstellt und hatte diesen Antrag in einelm Rundschreiben befürwortet, in welchem eine grosse Anzahl von Vereinen den Versuch erblickten, die Neutralität des Verbandes zu Ungunsten des Zionismus zu brechen. Auf dem Delegiertentag erklärte Dr. Apfel, dass das Gegenteil der Fall sei, dass er diesen Antrag nicht gestellt habe, um die Zionisten auszuschließen, sondern um jenem Teil der Jugend die Möglichkeit des Anschlusses öder des Verbleibens zu geben, der den Wunsch hat, in weitgehendem Masse seine deutsch-vaterländische Gesinnung zu . manifestieren, und der deshalb mit der Gründung von Jugendgruppen des Zentralvereins begonnen habe. Als sich die Versammlung fast einmütig! auf den Standpunkt stellte, dass der Zentralverein nicht mehr neutral sei, er deshalb im Vorstande des Jugendverbandes keine beratende Stimme mehr haben dürfe, es vielmehr die Pflicht von Herrn Dr. Apfel und Frl. Dr. B e r 1 i n er gewesen sei, aus dem Vorstände des Zentralvereins auszuscheiden, gab Dr. Apfel die Erklärung ab, dass sein und Frl. Dr. Berliners Bleiben eiinzig*'.und allein den Zweck gehabt habe, mit allen Kräften zu verhindern, dass der Zentralverein ein Sammelbecken der zionistenfeindlichen deutschen Juden würde. {Man braucht die Erklärungen *Dr. Apfels nicht zu bezweifeln. Aber ihm selbst wird die Tatsache, dass ihm der Verband "die Kabinettsfrage gestellt hätte, wenn er ihm nrcht geschickt zuvor gekommen wäre, die ernste Lehre gegeben haben, dass man als Führer einer Jugendorganisation eüne derartige Schaukelpolitik nicht treiben darf. Es entbehrt nicht einer gewissen Komfik, dass Herr Dr Apfel, der früher so" gern einen ganz unhaltbaren Unterschied zu machen pflegte zwischen „guten" und „bösen0 Ziionisten, jetzt gezwungen ist, einen ähnlichen Unterschied zwischen „guten" und „bösen" Zentralverein lern festzustellen. In Wirklichkeit ist dieser Unterschied weder auf der einen noch auf der andern Seite vorhanden, sondern auf beiden Seiten stehen Gruppen, die eine geschlossene und einheitliche Anschauung über die jüdischen Dinge vertreten, und wenn es auch nicht zu vermeiden ist, dass hüben wie drüben Einzelne das Bild dieser Einheit stören, so wälrje es doch eine überaus gefährliche Selbsttäuschung, axis diesen Einzelnen etwa eine oppositionelle Minorität zu konstruieren. Der Zentra 1 verein hat heute, wie vorauszusehen war, nicht nur die „bösen'*, sondern auch die „guten" Zionisten verloren, und der Jugendverband wird sich sehr schnell entschliessen müssen, ob er seine Zionisten oder seine deutsch-nationalen ZentraIvereinler verlieren will. Es ist ein überaus gewagtes Spiel, wenn Dr. «Apfel versucht, die Position des Zentralvereins im Jugendverband zu retten. Es 'hörte >sich recht merkwürdig an, als-er sagte, dass, wenn er die Wahl haben wülrde, durdi die Betonung der vaterländischen Gesinnung die noch im Verband befindlichen Zionisten zu verlieren, oder durch Aufrechterhaltung der Neutralität im bisherigen Sinne den Zentralere ins-jugendgruppe;n Hunderte zuzuführen, er lieber auf die Zionisten verzichte, als dass er einen grosfsen Teil der jüdischen Jugend mit vollen Segeln ins ajitizionistischei Lager gleiten sehe. Man kann mit der Jugend keine Politik in diesem Sinne treiben. Und was könnte bedenklicher sein, als dass ein Jugendführer, der für das Neutralitätsprinzip vor zehn Jahren einen harten und siegreichen Kampf geführt hat, h^ute in einem

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