Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 18 (25.6.1919)
- Article
- Zwei Tagungen
- Date
- 1919-06-25
- Page
- Seite 384 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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382 jüdischen Leben geworden; ist, wäfefend er eigentlich ein Exponent des» jüdische^ Lebens in der deutschen Politik sein sollte. Sind so die Aelieren*durch den Krieg „deutscher" geworden, so ist die jüdische Jugend, die ihn aml eigenen Leibe verspürt hat, in hohem; Masse „jüdischer" geworden, und gab der Zentralverein seine Neutralität auf, weshalb die Zionisten ihn verlassen mussten, so stellte sich der Jugendverband sdhützend vor sein Neutralitätsprinzip, um nicht gezwungen zu sein; seinen Zionisten ebenfalls den Laufpass t\i geben. Es war beim Jugendverband alles so ziemlich umgekehrt wie beim Zentralverein. Während Dr. Fuchs von den Seinen angegriffen wurde, weil er angeblich zu sehr zionistenfreundlich' und zu wenig „vaterländisch" war, musste es Dr. Apfel erleben, dass sich ein Sturm gegen ihn erhob, weil er die vaterländische Oesinnung zum Programmpunkt erheben wollte und in der Propagierung dieses Gedankens unvorsichtig genug gewesen war, seine zionistenfeindliche Wirkung zu betonen. Beim Zentralverein ein verdächtiges Bekenntnis zumi Kongressgedanken, das in krassem Widerspruch stand zu der Kongressfeindlichkeit, die in der Debatte zum Ausdruck gekommen war. Beim Jugendverband ein unbedingtes Fordern dieses Kongresses als einer. Notwendigkeit, welche die Jugend stark empfindet Es soll hier nichts gesagt werden, was dem Zwiespalt zwischen dem Zentralverein und dem Jugendverband allzu grosse Bedeutung beimässe. Aber eins verdient doch mit allem Nachdruck hervorgehoben zu werden: Die ausgesprochene Gegnerschaft gegen den Zentralverein, die in der De- . hatte sehr stark zum! 'Ausdruck kam. Vernichtender als alle Kritik, welche bisher von zionistische^ Seit;e der Arbeit des Zentralvereins zuteil geworden ist, war das Referat, das Herr Rabbiner Dr. Lange, Essen, über die Abwehr des Antisemitismus hjelt. Dr. Lange, der auf der Generalversammlung des Zentral Vereins zu jenen Radikalen gehörte, welche das bereits so oft zerschnittene Tischtuch zwischen Zentralverein und Zionismus endgültig in Fetzen reissen wollten, erklärte beim Jugendverband mit derselben ausdrucksvollen Rethorik, dass der Erfolg der gesamten Abwehrtätigkeit des Zentralvereins gleich Null ist, dass man mit Mitteln der Politik und des Strafrechts rmmjer nur Symptome treffen könne, aber nie die Wurzeln des Uebels, und dass die einzig richtige Abwehr in der Festigung der eigenen jüdischen Persönlichkeit liege. Damit macht er sich die Gedankengänge zu eigen, die der Zionismus vion jeher als Argument gegen1 die Zentraivereins-Politik erhoben hat, und denen Kurt Blumenfeld in seinen Vorträgen über die Ueberwindung des Antisemitismus einen geradezu klassischen! Ausdruck verliehen hat. Wenn heute ein Zentralvereins- Mitglied selbst diese Ideen Unter dem jubelnden Beifall' dieses „Jugendparia: ments" äussern durfte, so ist das ein Beweis dafür, dass sich diese Jugend unter dem Einfluss des Krieges sehr wesentlich von jener älteren Generation entfernt hat, die sich heuße jtpdh beispielsweise "über deutschen Re- ^ierungsantisemitisnuts aufregt, statt endlich einzusehen, dass man Erfahrungen dieser Art in #lle Ewigfeit machen wird. . , Cr. Apfel spielte bei diesem Streit um den Zentralverein eine sehr interessante Rolle. Er hatte einen Antrag auf Aenderung des Tendenzparagraplicn gestellt, der . die Forderung der, Betätigung vaterländischer Ge-