Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-25 · Heft 18 (25.6.1919) · p. Seite 383

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 18 (25.6.1919)
Article
Zwei Tagungen
Date
1919-06-25
Page
Seite 383 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908748-2911933--2530-2911954
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

381 frage und, allerdings in erheblich' geringerem Masse, von der Palästinafrage. Nichts? kennzeichnet vielleicht besser den Zwiespalt, der heute zwischen* V(olk;und Fuhrern im Zentralverein klafft, al9 die warmherzige Art und Weise, in der Justizrat Dr. Eugen Fuchs sich für den Kongressgedanken, einsetzte und die leidenschaftliche ' Ablehnung, welche dieser Gedanke bei einem1 grossen Teil der Delegierten fand und schliesslich durch die Resolution, die, gefasit nach einer Debatte so negativer Art, keinen anderen Sinn haben kann als den, dass der Zentralverein den Kongress deshalb mitmacht, wieil er ihn nicht verhindern kann, und weil er befürchtet, gänzlich ausgeschaltet zu werden, wenn er sich nicht daran beteiligt. Daneben spielt bei manchen, als deren geistiger Führer Dr. Felix Goldman n, Leipzig, anzusehen ist, der Gedanke eine Rolle, dass gerade ein solcher Kongress geeignet erscheine, die Schwäche der national-,jüdische[n' Position in Deutschland zu zeigen und eine Teilnahme sich schon aus diesem Grunde empfehle. t Im übrigen erhielt die Tagung eine gewisse geschichtliche Bedeutung dadurch, dass es ihr gelang, auch dem letzten Zionismen ein Verbleiben im Zentralverein unmöglich zu machen. Die Leser dieses Blattes kennen aus verschiedenen Artikeln die Stellungnahme, die Professor Dr. Cari Lcwi'n als Zionist zum Zentralverein bisher eingenommen hat. Und sie wissen daher, welche symptomatische Bedeutung es hat, wenn dieser Mann sich gezwungen gesehen hat, dem Zentralverein endgültig den Rücken zu kehren. Die Situation zwischen Zcntraiverband und Zionismus dürfte heute als endgültig gekliert gelten. Der Zentralverein hat es bei seiner Generalversammlung »junzweideutig ausgesprochen, dass er ein Sammelbecken .aller derjenigen sein will, die sich im G-cgensatz wissen zu jeder national-jüdischen Forderung, und dass er den Kampf gegen den national-jüdischeöi Gedanken als positiven Punkt in sein Programm aufgenommen hat. Die Gründung von eigenen Jugendgruppen, denen die Neutralität des Jugendverbandes als Standpunkt nicht mehr genügt, beweist, dass der Zentralverein bei der Neuorganisiemng seiner Arbeit gewillt schien, diesem Teil seines Programms besondere Aufmerksamkeit zu wfdmen. Eine besonders erregte und hartnäckige Debatte entspann sich über die Frage der Teilnahme von Juden nichtdeutscher Staatsangehörigkeit am Kongress. Ein sehr erheblicher Teil der Versammlung war geneigt, diesen Kongress als eine innere Angelegenheit derjenigen Juden aufzufassen, die deutsche Staatsbürger sind und forderten demgemäss auch ein Programm, das 'nicht nur jüdische Fragen, sondern zum erheblichen Teil auch deutschpolitische Fragen enthalten sollte. Der Gedanke, dass ein jüdischer Kongress ausschliesslich jüdischen Fragen dienen dürfe, und dass Juden, die innerhalb der schwarz-rot-goldenen Pfähle nicht hehnatberechtigt sind, dadurch nicht im geringsten ihr Heimatrecht im Judentum verlieren, das keine territorialen Schranken kennt, stösst im Zentralverein noch auf einen sehr hartnäckigen Widerstand. , (Zuletzt wurde die Versammlung geschlossen, ohne dass irgend etwas anderes feststand, als die eine Tatsache, dass sich der Verein entschlossen hatte, seine Neutralität den innerjüdischen Fragen gegenüber endgültig aufzugeben, und dass er nunmeftr ein Exponent der deutschen Politik im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.