Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 18 (25.6.1919)
- Article
- Zwei Tagungen
- Date
- 1919-06-25
- Page
- Seite 382 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2908689-2908735-2908748-2911933--2529-2911953- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
330 Zwei Tagungen {Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens — Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands).*) Von GZ. Klötzel, Berlin T?n den letzten Wochen haben drei der grössten und bedeutendsten jüdi- | | sehen Organisationen Deutschlands zum ersten Mal seit Kriegsbeginn ihre OeneralVersammlungen abgehalten. Mehr noch als die praktischen . Forderungen, die hierbei erhoben worden sind, und zu denen die Organisationen Stellung zu nehmen hattet, war hierbei der Geist entscheidend, in dem diese Verhandlungen gefuhrt wurden. Nachdem wir den ordentlichen und den Palästina-Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und die Generalversammlungen des Zentralvereins deutscher Staatsbürger, jüdischen Glaubens und des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands erlebt haben, besitzen wir ein genaues Bild der Stimmung im deutschen Judentum, und dieses Bild zeigt uns, dass im deutschen Judentum heute zwei Parteien sich g'ebildjet haben, die Wieder ziemlich scharf sich gegenüber stehen, , i (Man tut der Versammlung des Zentralvereins wohl kein allzu grosses Unrecht, wenn man behauptet, dass sie im wesentlichen die Vertreterschaft derjenigen deutschen Juden gewiesen ist, die eine seelische Umstellung als unmittelbare Folge des Kriegs nicht erlebt haben. Wenn auch diesen Männern eine Anzahl jüngerer Elemente beistand; die einen sehr starken Radikalismus bekundeten, so kann es doch gar keinem Zweifel unterliegen, — besonders im Hinblkik auf die Tagung des Jugendverbandes, — dass der Geist, der im wesentlichen! den Zentralverein beseelt, kein Geist der Jugend ist, die aen Jvrieg am unmittelbarsten und am einschneidensten erlebt hat. Diese Versammlung bot das merkwürdige Schauspiel, dass der Zentralverein beinahe seinen ersten Vorsitzenden, Herrn Justizrat Dr. Eugen FuKTh's, in dem verleugnet hätte, was er als seine Stellungnahme zu den grossen jüdischen Fjrageu jn teilweise offizieller Form manifestiert hat, Was seit Kriegsende in Deutschland geschehen ist, hat auf sehr viele Zentralvereinler geradezu verheerend gewirkt. Es gewinnt immer mehr den Anschein, als ob gewisse Kreise dem Verein, der bisher seine Hauptaufgabe1 , in der Abwehr des Antisemitisinrns erkannt hat, in ein Fahrwasser drängen wollen, dass nicht gut "anders als eine Abwehr positiven Judentums bezeichnet werden kann. Es« h'a,t tsjch nie deutlicher als jetzt gezeigt, dass diesen Leuten, die Frage js;aeh denn Wesen und Inhalt ihres Judentums absolut sekundär erscheint gegenüber der Frage, wie sie die Unentwegtheit ihres Deutschtums gegen deutsch-nationale und jüdisch-nationale Angriffe verteidigen können. Oie ganze Tagung wurde hier, wie übrigens auch beim Jugfcndverband, fast ausschliesslich von tzwei Fragen ausgefüllt: von der Kongressi *) Wir werden über diese beiden Tagungen eine Würdigung auch von entgegengesetztem Standpunkt n'odh bringen. Die vorliegenden Ausführt^en. hühm nur den Zweck, das Problem», wie es von der zionistischen Seite vertreten wird, — und was. den Verband anbetrifft von der zionistischen ji:^er4 i— ©diarf herauszuarbeiten, ohne die ganze Bedeutung der Tagungen , v/terdigen zu wollen. D. Red.