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Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-25 · Heft 18 (25.6.1919) · p. Seite 379

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 18 (25.6.1919)
Article
Fragen des Galuth
Date
1919-06-25
Page
Seite 379 (sequence 3)
Language
German
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377 reits mehr oder, weniger an Lehranstalten der Wissenschaft des Judentums, und ihm -widmen sich privatim zahlreiche Gelehrte. Gemeint ist Vielmehr die Durchdringung des Volkes, seine und in erster Linie der Jugend Hebräisierung, Judaisierung und Palästina-Verbindung. Es geht also nicht um einen streng akademischen Lehrbetrieb, sondern um den Ausbau eines umfassenden jüdischen Volksbildungs* wesens. Wie sollen wir uns dies für Deutschland denken? Vor allem muss darauf gesehen werden, dass eine Erfassung der ganzen deutschen Judenheit oder ihres grössten Teils möglich ist. So käme an und für sich als: allgemeine Grundlage der heute allerorten eingerichtete Religionsunterricht in Betracht, den auch nach der Trennung von Staat und Kirche wohl die Mehrzahl der jüdischen Kinder weiter besuchen dürften. Aber wie die Dinge liegen, iässt sich auf dem üblichen Religionsunterricht sehr wenig aufbauen. Bei wöchentlich 1 Stunde Hebräisch-Lesen und später Gebet-Uebersetzen ohne jede zureichende grammatikalische Fundierung und einem zweiten Stündchen biblische und später nachbiblische Geschichte kann einfach nichts Rechtes •erreicht werden. Die Errichtung privater jüdischer Volks-, und Mittelschulen wird in der Regel nur grossen Gemeinden möglich sein. So bleibt lediglich die Errichtung besonderer hebräischer Schulen, an denen durchschnittlich etwa 3—4 Stunden wöchentlich zuerst hebräische Sprache, dann „Thenach", später stellenweise mit Raschi, schliesslich Mischna und Midrasch gelehrt wird. Die Aussprache müsste einheitlich, schon um der Verbindung mit Erez-rsrael willen, die sephardische sein. Solche Schulen können in jeder Gemeinde erhalten werden. Sie erfordern nur einen gut vorgebildeten und der Sache innerlich ergebenen Lehrer. Da jede Gemeinde ohnedies eines Religionslehrers . (kleinere Gemeindon ge** 'wohnlich eines Lehrer-Kantors) bedarf, so lässt sich diesem ohne weiteres die hebräische Schule übertragen, zumal an Orten, wo für sie ein eigener Lehrer nicht angestellt werden kann. Es käme dann darauf an, die jüdische Lehrerausbildung nach der Seite des Hebräischen hin noch zu verbessern. Gewiss werden viele Eltern ihre Kinder wegen angeblicher Ueberbürdung, die jedesmal vorzuliegen pflegt, wenn es um jüdische Dinge geht, derartige Schulen nicht besuchen lassen. Aber es ist jedenfalls zunächst allen die Gelegenheit zur Erwerbung elementaren jüdischen Wissens zu bieten. Und bei entsprechender Propaganda für den Besuchter hebräischen Schule seitens der jüdischen Presse, der in Betracht kommenden jüdischen Organisationen, der Rabbiner und Lehrer, wird die Einrichtimg nach und nach immer grössere Popularität erlangen. Stellt die hebräische Schule die allgemeine Gründlage des jüdischen Bildungswesens dar, so bedeutet die jüdische Gemeindehochschule, die der reifen Jugend und den Erwachsenen gilt, die höhere Stufe. Zwar leisten heute schon Jugendvereine, Studentenverbindungen usw. Anerkennenswertes. Allein was sie bieten, trägt teils Partetcharakter, teils kommt es nur engeren Kreisen zugute, teils reicht es für die grosse und ernste Arbeit nicht aus, die wir zu fordern haben und für die bei den vielen anderen Dingen, die im Vereinsleben noch wichtige Rollen zu spielen pflegen, zumeist nicht genügend Zeit und Neigung mehr bleibt. Was

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