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Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-25 · Heft 18 (25.6.1919) · p. Seite 378

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 18 (25.6.1919)
Article
Fragen des Galuth
Date
1919-06-25
Page
Seite 378 (sequence 2)
Language
German
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376 Gelegenheit besteht, nach modernen Methoden wenigstens soviel Hebräisch zu lernen, als ausreicht, um hebräische Bücher und Zeitungen selbständig lesen zu können, also Hebräisch mindestens als Schriftsprache zu verstehen. Das .Hebräische bildet die Grundlage des Judentums überhaupt. Ohne Kenntnis der hebräischen- Sprache ist ein einigermassen lebendiges Judentum unmöglich. 2) Das Verständnis der hebräischen Sprache darf in Deutschland nicht als Selbstzweck gelten. Mit hebräischen Kommandorufen in jüdischen Turnvereinen und dem „Schalom" der Biauweissen ist wenig getan. Die Kenntnis des Hebräischen muss, auf alle Fälle in den westlichen Oahithländern, vor allem die Grundlage dessen sein, was ich die Judai* Vierung nenne. Judaisierung heisst Erfüllung mit dem Geist und den „Inhalten" des Judentums, die innerliche Aneignung der historischen Kulturgüter des jüdischen Volkes. In erster Linie gehört aber hierher die Kenntnisunseref Literatur, d. h. 'besonders des hebräischen Schrifttums: Bibel, Mischna, wenigstens etwasGemara (wofür eineGemara- Chrestomatie gute Dienste leisten würde), Midrasch (man denke an die schöne Sammlung „Sefer Haagadah" von Bialik und Rawnitzkü), Religionsphilosophie, Kabbala, „Mussar"-Schriften (in zu schaffenden Auswahl- Sammlungen), „Poskim" (ebenfalls in solchen Sammlungen), moderne hejbräischc Literatur. Sodann ist auf dem Gebiete der Judaistik zu pflegen: J ü d-i 8 ch e G e s c h i c h t e (wobei die leicht verständlichen hebräischen Werke z. B. von Joseph Klausner und Jawetz ebenfalls zu beachten sind!) mit Bnschluss der jüdischen Volkskunde, Archäologie usw. Ferner: Jüdische'Et hik und Philosophie überhaupt. Dazu rechne ich auch die Behandlung der religionsphilosophischen und apologetischen, der soziologischen, psychologischen usw. Probleme des modernen Judentums. Weiterhin fällt in das judaistische Gebiet die Behandlung des jüdischen Gesetzes und Rechtes. Endlich die Pflege jüdischer Kunst aller Art. . 3) Die Hebraisierung wie die Judaisierung der deutschen Judenheit wird nur dann" Aussicht auf einigen Erfolg haben* wenn wir einen inneren Zusammenhang mit Erez Jsrael und seiner Kultur herstellen, derart, dass Wir es als . unser „Nachahmungszentrum" erleben. Die Frage, die vor Jahren Ach ad Haam schon vorwurfsvoll erhob „Kennt ihr das Land?", wird jetzt an Bedeutung noch gewinnen. Vertrautheit, innere Verbundenheit mit Palästina und dem Leben dort, ist uns dringend nötig. Es ist daher als besonderer Teil der Galutharbeit das zu pflegen, was etwa Erez- Israel-Kunde heissen kann. Sie wird alles umfassen, was im Lande vor- *gehf und auf es Bezug hat. Dazu gehört, wie sich von selbst vei<-' sieht, die Kenntnis der hebräischen Literatur und Presse Erez Israels. Dieses, Programm der geistig-kulturellen Galutharbeit des Westens, das gewiss nicht überall in samtlichen Punkten durchführbar ist, will nur ungefähr angeben, was alles überhaupt geschehen soll, damit sich allmählich die höheren Durchschnittstypen des westlichen Diasporajudentums entwickeln. können, denen wir zustreben. Natürlich ist die Pflege - der gcnannten.una etwa noch zu nennenden Einzelfächer nicht ais wfssen» schaftlicher Forschungsbetrieb gemeint; ihn haben wir be-

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