Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 17 (10.6.1919)
- Article
- Menachem Mendel, der Pazifist
- Date
- 1919-06-10
- Page
- Seite 374 (sequence 3)
- Language
- German
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372 au? den Olivölberg, man isst sich an den Früchten satt und stopft sich die Taschen mit heiliger Erde voll. Ach! wie seufzten sie alle und ihre Augen waren voll Tränen." - „fa dieser Zeit, berichtet Abramowitsch weiter, war ganz Tunejadowka in Palästina. Und esi wurde; schmackhaft von Messias' Ankunft gesprochen." .Menachem Mendels Haupteigenschaft ist, dass er wie kaum ein anderer, die Fähigkeit zum Träumen, zum Nachdenklichsein besitzt. Und wenn er eilig dahinrennt, so ist es nicht, um den Schweizern alle-ihre Waren wegzukaufen, sondern weil ihn seine Oedanken vorwärts treiben. Um nur eine gewisse Vorstellung vorn Charakter seiner Gedanken zu . geben, muss ich aus der Galerie der Menachem Mendels den mir persönlich bekannten, im gaüzischen Orte jenseits der San geborenen Menachem .tMendel herausholen und ihm ein Extrakapitel widmen. Er hat es", wie ich dem Leser zu zeigen hoffe, in hohem Masse verdient. iL Um einer Ungerechtigkeit vorzubeugen, die von den Geschichtsschreibern des Pazifismus und ganz besonders des pazifistischen Wirkens während des Krieges begangen werden kann, stelle ich hier jetzt schon vor der ganzen Welt die Forderung auf, einen der Ehrenplätze im pazi- . f istischen Pantheon Menachem Mendel aus dem galiztschen Orte jenseits der San, einzuräumen. Und wo von den ersten schwachen Interventionsversuchen zu (gunsten des Friedens die Rede ist, so muss wiederum Menachem 'Mendel als einer oder gar als der erste bezeichnet werden, der in dieser Pachtung tätig war. Er wartete nicht bis das ganze Antlitz, der ganze Körper der Menschheit mit Blut besudelt war, er wartete nicht den Blutozean ab, um dann erst schüchtern zu stammeln: genug! Menachem iMendel verlangt und wünscht den Frieden und die Versöhnung der Völker von Anfang an, von den ersten Kriegstagen an. Er verliess die Ufer der San und ging nach Neutralien einzig und allein, weil er den Krieg leidenschaftlich hasste. Dort in der Heimat konnte er das furchtbare Geschehen •nicht verhindern. Umso stärker war in ihm das heilige Bedürfnis seine lEnergie, seine Seelenglut, seinen Enthusiasmus der grossen Sache des Pazifismus in einem neutralen Lande zu widmen. Bevor er jedoch daran dachte, zur Organisationsarbeit überzugehen, zur Zusammenfassung der gesellschaftlichen Kräfte, überlegte er genau seinen Plan. Metlachem Mendel Hebte «es, sich seine Pläne auf der Strasse zu überlegen. Ihn ging der Mensehensirom nicht im geringsten an, er kümmerte sich nicht um die Wagen, Autos, Strassenbahncn. Er war vollständig In seine Gedanken vertieft, hörte nur sich selbst. Dass er es vorzog, laut auf der Strasse zu denken, anstatt ruhig in seinem Dachzimmer zu sitzen, zog ihm viele Unannehmlichkeiten zu. Mit staubigem Hut und trüben Augengläsern, eine fcler Schultern immerzu hochhebend und mit sich selbst redend,0 lenkte er nicht selten die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich. Bald war er allerdings als Verfechter eines gerechten und raschen Friedens alfgemein bekannt Hauptsächlich sollte der Frieden rasch kommen, gleich/ Für dieses heilige und hohe Ziel schont er nicht seine sehr schwachen Kräfte und seine Gesundheit. Er entwickelte eine wahnsinnige Energie. Er schreibt endlos lange Briefe an den spanischen König, den Papst, an Georg Brandes. Georg Brandes erklärte sich sofort einverstanden und schrieb in diesem Sinne an Menachem Mendel. Was den spanischen König und den Papst ör&etrifft, so zögerten &ie mit der Antwort, vielleicht weil sie nicht wussten mit welch fieberhafter 'Ungeduld Menachem Mendel auf diese Antwort