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Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-10 · Heft 17 (10.6.1919) · p. Seite 370

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 17 (10.6.1919)
Article
Das Gefühl für die Sonne und die Pflanzen bei den alten Juden
Date
1919-06-10
Page
Seite 370 (sequence 5)
Language
German
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368 Was tut nun der Hohepriester? Er sprengt viermal nach unten und viermal nach oben, in die Luft, d. h. er sprengt drei- und nicht zwei- oder . eindimensional. „Daselbst werde Ich wohnen'^ und das Blut wird Ihm „zum süssen Geruch" iiach oben und unten, unsichtbar, doch dreidimensional gesprengt. Den Juden lag es offenbar durchaus ferne, ihren Gott mit dem „Begriff" zu verschmelzen (wozu braucht der Begriff Blut?). Nachdem er dies getan hat, läuft der Hohepriester, von Entsetzen erfasst, aus dem Allerheiligsten, und das Volk fragt: „Lebst du noch?" So gross war ihr Grauen vor dem Allerheiligsten. Um zu zeigen, wie eng verwebt sie mit der Natur waren, will ich schliesslich noch darauf hinweisen, dass die Beschneidung, die Abraham- und den Menschen befohlen war, auch auf die Bäume ausgedehnt wurde! „Wenn ihr ins Land (Kanaan) kommt und allerlei Bäume pflanzet, davon man isset, sollt ihr derselben Vorhaut beschneiden und ihre Früchte. Drei Jahre sollt ihr sie unbeschnitten achten, das ihr sie nicht esset; im vierten Jahr sollen aber alle ihre Früchte heilig und gepriesen sein dem Herrn." (2. Mos. 19, 23—24.) Es ist genau so, wie wenn wir sagen würden: „Dem Gesetze der Taufe bei Aufnahme in die christliche Glaubensgemeinschaft unterliegen zugleich mit* den Menschen auch ihre Gärten; ihr müsst die Pflanzen taufen, von ungetauften Pflanzen dürft ihr aber keine Frucht gemessen." Denn das Gefühl der Juden für die Beschneidung entspricht genau unserm Gefühl für die Taufe: die „beschnittene" Frucht wird als spezifisch jüdisch geachtet, sie wird im Dienste des Herrn dem Menschen gleichgestellt. Es heisst ja piuch ausdrücklich: „sie sollen heilig und gepriesen sein dem Herrn". Das ist mehr als die „Stimmen der Vögel", von denen wir einst träumten, doch an die wir nicht recht glauben; das sind vom Glauben hingenommene „Stimmen" der Blüten und Früchte." Der Sabbat wurde nicht nur von Menschen, sondern auch von Tieren gefeiert. Noch erstaunlicher ist es, dass in den gleichen heissen Regionen, allerdings nicht in Judäa selbst, sondern in einem der Nachbarländer, die Tiere auch an den Fasten und der Nationaltrauer teilnehmen mussten: „Und der König stand auf von seinem Thron, und legte seinen Purpur ab, und hüilete einen Sack um sich, und setzte sich in die Asche (die gleichen Trauergebräuche hatten auch die Juden). Und Hess ausschreien und sagen zu Ninive, auf Befehl des; Königs und seiner Gewaltigen also: Es soll weder Mensch noch Tier, weder Ochsen noch Schafe, etwas kosten, und man soll sie nicht weiden, noch Wasser trinken lassen. Und sollen Säcke um sich hüllen beide, Menschen und Tier, und zu Gott rufen heftig^... Da aber Gott sähe ihre Werke, reuete ihn des Uebels, das er geredet hatte, ihnen zu tun, und tat nichts." (Jonas 3, 6—10.) Hier ist die Rede von Ninive. Auffallend ist aber folgendes: der König von Ninive wendet sich in seiner Sprache und nach seinem Ritus an seinen Gott; doch der Gott, der ihn erhört und ihm Gnade erweist, ist der Gott Jonas* und Israels. So berichtet der Prophet Jonas. Was folgt daraus? Jedenfalls erklärt es uns die befremdende Tatsache, dass es auch bei den andern Völkern Opferungen gab. Moses und Esra (im Hl. Buch) sagen zwar: „Herr, du hast deinen Namen (der so schrecklich und geheim ist, dass die Juden ihn niemals laut aussprechen) niemand ausser unserem Volke offen-

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