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Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-10 · Heft 17 (10.6.1919) · p. Seite 369

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 17 (10.6.1919)
Article
Das Gefühl für die Sonne und die Pflanzen bei den alten Juden
Date
1919-06-10
Page
Seite 369 (sequence 4)
Language
German
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367 werke festhalten? Ich werde höchstens eine Schale, eine Pfanne zustandebringen, deren Anblick in mir keinerlei Oefühle auslösen wird. „Mache dir keine Bilder und hänge dich nidht an sie, dass du nicht dem Dargestellten, der Schöpfung, den lebendigen Fittichen Gottes untreu wirst!" Jesja sagt also: „Der andere zimmert Holz und misset es mit der Schnur, und zeichnet es mit Rötelstein, und behauet es, und zirkelt es ab, und macht es wie ein Mannsbild, wie einen schönen Menschen (das ist doch wunderbar!), der im Hause wohne. Er gehet frisch daran unter den Bäumen im Walde, dass er Zedern abhaue und nehme Buchen und Eichen, ja eine Zeder ,die gepflanzet und die vom Regen erwachsen ist, und die dem Menschen Feuerwerk gibt, dass man sich dabei wärme, und den man an* zündet und Brot dabei bäckt. Daselbst macht er einen Gott von und betet es an; er macht einen Götzen daraus und knieet davor nieder. Die Hälfte verbrennet er im Feuer, und über der andern Hälfte isset er Fleisch, er bratet einen Braten und sättigt sich, wärmet sich auch und spricht: ,Ho;a, ich bin warm geworden, ich sehe meine Lust tarn Feuer!' Aber das, Uebrige macht er zum Gott, dass es sein Götze sei, davor er knieet und spricht: ,Errette mich, denn du bist mein Gott!' Sie wissen nichts und verstehen nichts und gehen nicht in ihr Herz, dass sie doch dächten: ,Ich habe die Hälfte mit Feuer verbrannt und habe auf den Kohlen Brot gebacken; und sollte das Uebrige zum Greuel machen und sollte knieen vor einem Klotz?'" (Jes. 44, 13—19.) Das ist die einzige biblische Urkunde, die den Grund für das Fehlen von Darstellungen im Temper und in der Religion angibt. Die Sprache ist hier ermüdend, umständlich und verworren: sie verneint und bejaht. Was wird hier aber verneint? Der Stoff, doch nicht das Bild. Und das Bild? Das Bild wird nicht bejaht, sondern aEs etwas Heiliges aufgefasst; darum wird ja auch der Stoff verneint, weil er dem Darzustellenden nicht ebenbürtig ist. „Mit diesen Farben kannst du es nicht malen!" Nimm reines, dichtes Gold, um die Blume (am Leuchter) darzustellen. Wie soll man aber „einen schönen Menschen" darstellen? Für ihn ist kein Stoff geschaffen! Er ist über jeden Stoff erhaben! Man darf ihn sich wohl vorstellen, man kann ihn in der Vorstellung lieben, es ist aber unziemlich, eine Farbe, einen Marmorblock, geschweige denn ein Stück Holz einen Baumklotz zu nehmen und sich auf der einen Hälfte seine Speise zu kochen und aus der anderen das Bild eines Menschen zu. machen. Aus diesem Grunde stürzten sich die Juden später in die Musik: der Gedanke ist ein der Darstellung würdiger Stoff! Es ist ihnen wohl erlaubt, sich den schönen Menschen, den geliebten Mond, die strahlende Sonne zu denken; sie aber aus Erz zu giessen — ist erniedrigend, sündhaft, beleidigend. Dass es in (ihrem Theismus auch das Gefühl {für das Dreidimensionale, das Räumliche gab, ist schon aus der Art und Weise ersichtlich, wie die Bundeslade mit Blut besprengt wurde. Der Hohepriester betritt das absolut dunkle Allcrheiligste (das keine Fenster hatte und vom Vorhang und den Teppichen derart verhängt war, dass kein Sonnenstrahl hineindringen konnte). Er trägt an seinen Fingern das Blut der Opfertiere, das er zwischen den beiden Cherubim auf der Bundeslade spritzen muss. „Von dem Ort will Ich dir zeugen und mit dir reden," sagte der Herr zu Moses.

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