Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 17 (10.6.1919)
- Article
- Das Gefühl für die Sonne und die Pflanzen bei den alten Juden
- Date
- 1919-06-10
- Page
- Seite 368 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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366 und Jesaja versprengten Tropfen von Empfindungen gar nichts tuiserm Sinn? Die Theologen und Historiker verkünden aber wie aus einem' Munde: „Es gab im Tempel' keinerlei Bilder oder Darstellungen!" — „Le desert est monoth&ste" — formulierte es Renan, welcher behauptete, dass die Eintönigkeit der Wüste auch ieintönige religiöse Gefühle geschaffen habe, die in der Anbetung; eines Einzigen Wesens, wie einer abstrakten Monade ohne Nebensächlichkeiten, ohne Requisite ihren Ausdruck gefunden hätten. Wie kann man aber behaupten, dass die Juden keine Darstellungen gehabt hätten? Ich finde bei ihnen keinen einzigen Lobgesang auf die Wüste, wohl aber eine Hymne auf eine Blüte. Es ist? der siebenarmige Leuchter (die sieben Wochentage) in der Stiftshütte Mosis. Wir lesen im Exodus (Kap, 25, 31—36): „Du sollst auch einen Leuchter von feinem, dichtem Golde machen; daran soll der Schaft mit Röhren, Schalen, Knäufen und Blumen sein. Sechs Röhren (die sechs Tage der Schöpfung) sollen aus dem Leuchter zu den Seiten ausgehen, aus jeglicher Seite drei Röhren..Hier heisst es wieder „ausgehen", also „wachsen": wieder der Zustand des Werdens und nicht des Seins! Man könnte glauben, der Auftrag sei nun erteilt, die Formel und die Zeichnung des Leuchters gegeben. Wie soll man sich nun die weiteren liebevollen Worte erklären, die., Hymne, die Worte Gottes, die sich um einen Mandelzweig ranken?! „Eine jegliche Röhre soll drei offene Schalen, Knäufe und Blumen haben; das sollen sein die sechs Röhren aus dem Leuchter. Aber der Schaft am Leuchter (dasi ist der siebente Tag, der Sabbat) soll vier offene Schalen mit Knäufen und Blumen haben____ Und sollst sieben Lampen machen oben auf, dass sie gegeneinander leuchten____" Es ist erstaunlich, dass es nicht die Blume an sich ist, nicht das Symbol der Blume als Schmuck, als Schönheit,, als eine der für einen Leuchter möglichen Formen, .sondern die Statue eines Mandelzweiges, dessen Form vom Golde nur umkleidet und verewigt wird. Es ist noch zu bemerken, dass die Lampen offenbar zwischen den drei Schalen jeder Blume standen, in denen sie die drei notwendigen Stützpunkte hatten; sie steckten aber nicht in den Blumen und verdeckten nicht ihre schönen Details. Fragen wir -uns nun: was ist bedeutender, — einen wichtigen Bestandteil des Tempels, der der Leuchter zweifellos war, auf eine Mauer zu malen, oder in lebendiger, greifbarer Form darzustellen? Auch im Salomonischen Tempel schaute man keine Bilder: „Und an allen Wänden des Hauses um und um Hess er Schnitzwerk machen von ausgehöhlten Cherubim, Palmen und Blumenwerk, inwendig und auswendig." (1. Kön. 6, 29.) Was reden die Historiker, dass es keine Darstellungen gegeben habe? Im Tempel gab es ja, wie an den Wänden, so auch im Leuchter, Darstellungen heiliger J3äume; und wenn sie auch nicht porträt-ähnlich waren! Die Welt ist das Antlitz Gottes! Wie kommt es, dass die Gelehrten eine Stelle bei Jesaja übersehen haben, die den wahren Grund für das Fehlen der Darstellungen angibt? Dieser Grund liegt nicht in der Verneinung des darzustellenden Gegenstandes, sondern in der Erkenntnis, dass seine Schönheit und Vorzüge mit den gewöhnlichen künstlerischen Mitteln gar _ nicht dargestellt werden können: wenn ich die Sonne heimlich liebe und „deinen Mund mit den Händen küsse", wie kann ich sie in einem Bild-