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Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-10 · Heft 17 (10.6.1919) · p. Seite 363

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 17 (10.6.1919)
Article
Fragen des Galuth
Date
1919-06-10
Page
Seite 363 (sequence 4)
Language
German
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361 Juden die Pflicht, zugleich „an der kulturellen Fortentwicklung unserer Blutsgemeinschaft, des jüdischen Volkes, mitschaffend zu arbeiten". Das bedeutet ein Kompromiss. Aber darin liegt eben die unaufhebbare Tragik des Galuth judentums. Volljudenturn gedeiht einzig im eigenen jüdischen Lande. Eine dritte Antwort erteilte schon vor Jahren, als bei uns das „Galuthproblem" noch wenig Aktualität besass, Achad H aam, besonders m seinen Auseinandersetzungen mit S. Dubnow, dem Hauptvertreter des Autonomismus.6) Achad Haam bejaht das Galuth im objektiven Sinn, er anerkennt, dass auch nach Errichtung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina die Mehrzahl der Juden unter den Völkern verstreut weiterleben wird. Das jüdische Palästina hat gerade die Aufgabe, abgesehen von seinem Selbstzweck, das belebende Zentrum der Diasporajudenheit zu sein. Es soll ihr das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, der Einheit der jüdischen Gemeinschaft stärken, sie kulturell beeinflussen, ihr ein gemeinsames Vorbild sein, an dem die Kulturarbeit der Judenheiten in den verschiedenen Ländern sozusagen ein einheitliches Normaimass hat. Dessen bedarf das Galuthjudentum, wenn es nicht allmählich so vielerlei Judentümer geben soll wie es Aufenthaltsländer von Juden gibt. Denn das Diasporajudentura wird nie ein Volljudentum bilden können, die Umweltskultur wird immer das Judentum in den einzelnen Ländern wesentlich mitbestimmen. Die Erlangung der „nationalen Autonomie" vermag daran wenig; zu ändern. Was wir in der Diaspora tun 'können und tun müssen, ist die Verbesserung und Ausgestaltung unseres nationalen Lebens bis zur äussersten Grenze des Möglichen — im Bewusstsein, dass eben diese Möglichkeit keine allzu- Aveiten Grenzen hat. Das Judentum sollte den Primat auch für die' Diasporajudenheit haben, allein er wird nur dem Gefühl und Willen nach •'• möglich sein, nicht zugleich was die Verwirklichung betrifft. Bei aller Pflege der hebräischen Sprache und Literatur, bei aller Förderung eines jüdischen Schulwesens*, bei aller Beschäftigung mit «jüdischer Ethik usw. wird doch, wie gesagt, ein volles nationales Kulturleben in der Diaspora ausgeschlossen sein und bleiben, da wir nun einmal inmitten anderer Völker und Kulturen leben, ihrem Einfluss bewusst und unbewusst fortwährend unterliegen und an ihrem Leben teilnehmen. Nur1 wird durch das „geistige Zentrum" in Palästina das Diasporajudentum gefestigter, reicher und voller werden, als es heute der Fall ist und die Zukunft des Judentums gesichert sein. Wir finden somit drei Ansichten vertreten, 1) Die Diasporajudenheit muss, solange sie überhaupt noch existiert, sich der jeweiligen Landeskultur völlig verschliessen und darf allein die jüdische Kultur pflegen. 2) Die Diasporajudenheit, die auch in Zukunft bleiben wird, muss den Primat der jeweiligen Landeskultur anerkennen, soll jedoch die jüdische Kultur ebenfalls nach Kräften fördern. 3) Die Diasporajudenheit, die auch in Zukunft bleiben wird, sollte an und für sich vor allem der jüdischen Kultur leben, wird aber durch ihre im Wesen des Galuth' bee) AI Paraschat Derakhim II S. 57ff.; IV S. 106ff. Dazu als notwendige Ergänzung II S. 111 ff. In-der deutschen Teilausgabe II. Bd. S. 199 ff;, 213 ff. und 105 ff.

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