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Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-10 · Heft 17 (10.6.1919) · p. Seite 359

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 17 (10.6.1919)
Article
Nationaler Sozialismus
Date
1919-06-10
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
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357 sisdien Jischuw erstanden, das erste Zeichen für das Erwachen einer neuen jüdischen und nur jüdischen Kultur. Dieser neue Nationalismus, der die Nation als das Mittelglied ztwischen dem Einzelnen und der Menschheit begreift, musste folgerichtig zum Sozialismus führen. Sah er die Daseinsberechtigung des Volkes in der von ihm entwickelten, eigenartigen Kultur, so musste er vor allem danach streben, alle kulturfähigen Kräfte des Volkes zu befreien. Die freie Auswirkung dieser Kräfte wird aber im bisherigen kapitalistischen Wirtschaftssystem ohne Zweifel auf das äusserste behindert durch den ökonomischen Druck, der auf der überwiegenden Majorität des Volkes lastet. Wenn wir bedenken, mit welchem unsagbaren Elend vieler Tausende die kulturelle Entwicklungsmöglichkeit einiger wenige heute erkauft ist, wenn wir bedenken, wie das auf gegenseitige Konkurrenz gegründete, heutige System die Bildung einer wirklichen, nach Kultur ringenden Gesellschaft hindert, so erkennen wir klar und deutlich, dass das kapitalistische Palästina nicht das Ziel unserer Wünsche sein kann. Wenn wir die UnProduktivität der jüdischen Massen erkennen und sehen, dass sie nicht nur ihre ökonomische, sondern auch ihre kulturelle Not bedingt, wenn wir die Forderung nach der jüdischen Arbeit nicht nur zur Ueberwindung dieser Unproduktivität, nicht nur aus der nationalen .Erkenntnis heraus, dass. nur die jüdische Arbeit den Boden Palästinas wieder jüdisch machen könne, — sondern auch als Voraussetzung jeglicher neuen Kulturbildung und als einziges Mittel, urn den jüdischen (Menschen wieder mit dem Boden und der Natur seiner Heimat fest zu verbinden, verstehen, so begreifen wir, dass nur eine Gesellschaft von arbeitenden jüdischen Menschen die Erfüllung des Zionismus bedeute*? kann. Soll sie aber eine wahrhafte Gesellschaft der Arbeit sein, in der keine Jude einen anderen ausbeutet, sondern ein jeder von seiner eigenen Arbeit lebt, so ist sie auch sozialistisch. Das Palästina der Zukunft wird nicht nur jüdisch, sondern auch sozialistisch sein. Der Sozialismus des Hapoel Hazair entspringt dem Zionismus. Will man allerdings unter Sozialismus nur die Interessenvertretung des Proletariats verstehen, wie es heute üblich zu werden scheint, so haben wir kein Recht, uns Sozialisten zu nennen. Um klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass wir das sozialistische Palästina nicht erstreben, um den materiellen Interessen des jüdischen Proletariats gerecht zu werden (eine Theorie übrigens, die, wie Blumenfeld auf dem Palästina-Delegiertenvertrag richtig sagte, wohl für einen einzelnen — und zwar kleinen — Teil, aber niemals für das Ganze des Volkes durchführbar ist, weil Palästina ja nie das ganze Volk aufnehmen kann), sondern als Grundlage der Entwicklungsmög.ichkeit der gesam:en N..t.on, •haben wir uns, in Anlehnung an die N a r o d n i k i, Votkssozialisten genannt. Die idealistische Grundlage, auf der unser Nationalismus, und damit auch unser Sozialismus, ruht, lässt uns auch in unserer Methodik andere Wege einschlagen, als es d£e übrigen Sozialisten tun. Wir glauben .nicht, dass der Sozialismus durch Aenderung äusserer Bedingungen seine Verwirklichung finden kann, sondern wir glauben, und heute mehr denn

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