Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 17 (10.6.1919)
- Article
- Nationaler Sozialismus
- Date
- 1919-06-10
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
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356 ist. Natürlich ist es nicht so/ als ob diese neue Lehre nun plötzlidt als ein Fertige*? mSwiti' o'er ersten gestanden hätte. Nicht nur, dass Nathan Bi rn bau einen (katlichen Vorlaufer zu ihr bildet, aucn bei Herzl; dem ja täiv y/au^v Jahre der jüdischen Entwicklung gegönnt waren., fh/Jai vv^/trf s-men Schriften zahlreiche Stellen, die bereits im Sinne;awn Lehre gehalten sind. Die neue Theorie versuchte irachzuweisen Otts* der jüdische Mensch' zu seiner menschlichem Eirt^i^lnn/r' t.le>; jüdischen Kultur als der einzigen, ihm adäquaten Form des allmenschlichen bedürfe, und dass es also die erste Aufgabe des Zionismus sei, für das Fortbestehen und die Fortentwidohing der jüdischen Kultur Sorge zu tragen. Diese Theorie musste in ihrer Weiterbildung folgerichtig zu dem Standpunkt führen, auf dem wir heute stehen, und den wir den persönlichen Nationalismus nennen können. Sein Kriterium ist, dass er nicht nur Palästina als ein geistiges Zentrum erstrebt, sondern dass er das ganze jüdische Leben tiurch den Geist umwandeln will. In Deutschland sind seine hauptsächlichen! Wortführer B u b e r und B1 u m e n f e 1 d. Airs ganz verschiedenen „antonomen Provinzen" des Geistes kommend, treffen sie sich doch in dem einen Punkt, dass sie den Zionismus aus der inneren Notwendigkeit des jüdischen Individuums erklären. Die Voraussetzung für diesen bewussten, persönlichen "Zionismus ist die Erkenntnis der Bindungen, die der Einzelne zu seinem Volke hat. Die Erkenntnis1, dass das Volk der Schöpfer der persönlichen Eigenart sei. Denn unsere Anlagen, die Mentalität unseres Geistes, sind bedingt durch die natürlichen, blutmässigen Anlagen unseres Volkes, und durch die Veranden rungen, die diese, in unseren ~Ahnen verkörperten Anlagen im Laufe des geschichtlichen Werdens erfahren, haben. Und ferner die Erkenntnis, dass das Volk der Träger der persönlichen Eigenart sei.. Denn um den Sinn seines Daseins zu erfüllen, bedarf der Mensch einer Gemeinschaft, die es ihm ermöglicht, schöpferisch tätig zu sein* Diese Gemeinr pchaft kann nur die. auf der gleichen gegebenen und gewordenen Art ruhende Gemeinschaft des Volkes sein. Nur im Volk, das erfüllt ist von der, durch die gleiche Anlage geschaffenen, gleichen Kultur, findet der Mensch die notwendige Ergänzung seines Einzellebens, die Männer, die, beseelt von demselben Geiste, sein Werk in Raum und Zeit fortsetzen una aus einem nichtigen Stückwerk zu dem Teil eines grossen, organischen Ganzen machen. Und endlich die Erkenntnis, dass das Volk der Fortbildner der persönlichen Eigenart sei. Ebenso wie in uns der Geist unserer Ahnen lebt, wird unser Erlebnis und unser Tun in unseren Kindern fortleben, wird ein Teil unseres Lebens ein immenenter Teü der jüdischen Volksseele werden und niemals vergehen. Dieser Zionismus, der die geheimnisvollen Kräfte fühlt, die, aus dem Volke kommend, den Einzelnen zur schöpferischen Tat befähigen, dieser idealistische Nationalismus ist der Nationalismus des Hapoel Haza'ir. Es ist gleichgültig, ob diese, in der lebendigen Wirklichkeit der palästinensischen Jugend, geborenen Gedanken im deutschen Zionismus wirkten, c&sr ob dieser ähnliche Gedanken neu entwickelte. Jedenfalls sind AI D. Oordons Briefe aus Palästina, in der Realität des palästinen-