Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 17 (10.6.1919)
- Article
- Nationaler Sozialismus
- Date
- 1919-06-10
- Page
- Seite 360 (sequence 4)
- Language
- German
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353 je, dass eine Umwandlung der Menschen im' sozialistischen Geiste seine Voraussetzung bildet. Darum, und weil wir die Einheit des Volkes erstreben, und es uns ein unf assbarer Gedanke wäre, nach zweitausendjährigem/ Galuth' einen: Riss in das Volk zu tragen, lehnen wir die Kampfmittel des europäischen Sozialismus ab, soweit sie sich unserem nationalen Ideal nicht unterordnen lassen. An ihre Stelle aber setzen wir, als unsere wichtigste Waffe, d'ie Erziehung, nicht zum proletarischen Klassenbewusstsein, sondern zum Bewusstsein der Volksgemeinschaft. Dass das kulturelle Programm unserer Partei, die ja als erste die Hebralsierung des neuen Jisdiuw unternahm, nach wie vor die Forderung der nationalen, hebräischen Kultur umfässt, und dass wir, unserem nationalen Idealismus gemäss, nie aufhören werden, die Pionierbewegimg zu unterstüt2en, braucht nach allem vorher Gesagten nur angedeutet werden. Wir haben in diesem Aufsatz die Ideologie des Hapoel HazaTr unter dem besonderen Gesichtspunkt des. Nationalismus betrachtet. Es ist daher, erklärlich, dass wir nicht allen in dieser werdenden Bewegung vorhandenen Kräfte gerecht werden konnten. So wollen wir wenigstens hier noch einmal auf die zentrale Bedeutung des Arbeitsgedankens hinweisen, der das besondere Kennzeichen unserer Bewegung bildet. Wir hoffen, und der Ausgang der Palästina-Tagung konnte uns darin nur bestärken, dass es uns vergönnt sein wird, in friedlichem Ausgleich zwischen Bourgeoisie und Proletariat, das neue Palästina einer ungestörten und gedeihlichen Entwicklung entgegen zu führen. Fragen des Galuth Von Dr. Abraham Schlesinger, Buchau a. F. I. as die Begründer der Zionistischen Organisation von Anbeginn erstrebt hatten, soll jetzt zur Verwirklichung gelangen. Die Forderung des „Baseler Programms" geht ihrer Erfüllung entgegen, Palästina wird ein mehr oder weniger selbständiges jüdisches Gemeinwesen. Die antizionistischen jüdischen Organisationen haben sich mit der Tatsache abfinden müssen und lassen das zionistische Paiästinaprogramm wohl oder übel gelten. Der Streit um Zion hört auf, aber der Streit um das Galuth fängt an. Was ergibt sich aus der Errichtung der jüdischen vHeimstätte in Palästina für das Verhalten der Juden in den Diasporaländern, wo vermutlich auch weiterhin die Mehrheit des jüdischen Volkes leben wird? Sollen die Juden der Diaspora sich hier ebenfalls zum jüdischen Volk bekennen? Sollen sie politisch-nationale Rechte als „nationale Minorität" fordern? Sollen sie in engem Zusammenhang mit dem „Kulturzentrum" in Palästina überall, wo immer sie weilen, eine jüdische Kultur pflegen oder wie gegenwärtig in. Westeuropa jeweils mit «der herrschenden Landeskultur verschmolzen bleiben, als ob es kein jüdisches Palästina gäbe?