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Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-10 · Heft 17 (10.6.1919) · p. Seite 355

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 17 (10.6.1919)
Article
Die Palästina-Tagung der deutschen Zionisten
Date
1919-06-10
Page
Seite 355 (sequence 3)
Language
German
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353 tingeheuren Geldmittel, die für ein so gnossartiges Unternehmen w?e die Ansiedlung und Berufsumschichtung eines ganzen Volkes erforderlich sind. Es zeigte sich, dass auf allen diesen Gebieten die Pläne mehr und mehr bereits , feste Form-annehmen, sodass mit der Freigabe des Verkehrs an ihre tinmittelbare Verwirklichung geschritten werden kann, . Leider mtisste der grosse und wichtige Komplex der kulturellen Aufgaben, vor allem auf dem Gebiete des Schulwesens, zurückgestellt werden; doch bestehen hier kaum grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten, da von allen Richttingen innerhalb des Zionismus die restlose Hebräisierung der Schule in Palästina aus nationalen und praktischen Gründen gefordert und die völlige Gleichberechtigung aller religiösen und kulturellen Gruppen des Judentums anerkannt wird. Eine besondere Note erhielt die ganze Tagung durch die eingehende "und von starkem Interesse getragene Erörterung sozialer Fragen. Art ihrer Spitze »stand die Frage der Nationalisierung des; Bodens. Diese Forderung, die seit langem eine Grundforderung des Zionismus ist, weil sie durchaus in der Fortsetzung altjüdischer Ideen liegt, ist für die alteingerichteten Staaten Europas ein revolutionärer Kampfruf; für das neue jüdische Gemeinwesen in Palästina wird sie sich verhältnismässig leicht, ja fast selbst verstand! ich durchsetzen können. Seit 1903 besteht der jüdische Nationalfonds, dessen Ländereien statutarisch Volkseigentum bleiben und nur in Erbpacht und Erbbaurecht an Einzelne vergeben werden dürfen. Es gilt jetzt nur, dieses' Prinzip in ganz grossem Stile und in Anpassung an die gegebenen Verhältnisse für alle neu zu erwerbenden Böden durchzuführen. Der Wirtschaft-Aufbau des jüdische Palästina wird1 sich auf dieser Grundlage nicht nur ebenso leicht, sondern leichter aufführen lassen, als auf rder des Privateigentums an Grund und Boden, weil die schweren Hindernisse durch Bodenspekulation damit von vornherein ausgeschaltet sinxl\ Es kommt nur mehr alles darauf an, dein landerwerbenden Fonds die genügenden Mittel zuzuführen. Mit einer solchen radikalen Bodenreform wird aller Voraussicht nach das ganze soziale Leben im jüdischen Palästina auf eine neue und gestände Basis gestellt weil sie es ermöglicht, jedem Volksgenossen sein eigenes Heim zu geben. Einer ernsten und auf hohem Niveau stehenden Aussprache wurden auch die Fragen des Verhältnisses von Kapital und Arbeit unterzogen. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, dass die Mehrzahl der Einwanderer, die aus Osteuropa kommt, stark sozialistisch gerichtet sein wird, und das musis als reale Tatsache unserer Sozialpolitik in Palästina zu Grunde gelegt werden. Obwohl der systematisch-doktrinäre Sozialistnus marxistischer Richtung auf der Delegierten-Tagung kaum zu Worte kam, waren doch so gut wie alte Reden von stark sozialem Geiste erfüllt. Niemand scheut sich, die meisten positiven Forderungen der Arbeiterschaft von vornherein als berechtigt anzuerkennen und die weitgehendsten sozialen Reformen zu befürworten. Schwierigkeiten dürften erst entstehen, wenn programmatische, nicht aus dem Arbeitsverhältnis feelbst erwachsene Forderungen des Sozialismus über den positiven Aufbau des entstehenden Gemeinwesens gestellt werden. Die bedeutsamste Er-

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