Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 17 (10.6.1919)
- Article
- Die Palästina-Tagung der deutschen Zionisten
- Date
- 1919-06-10
- Page
- Seite 354 (sequence 2)
- Language
- German
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352; Friedensvertrag wird ausdrücklich ausgesprochen sein, dass Palästina als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes betrachtet wird. Nach Erreichung einer jüdischen Majorität wird also das weitere politische Schicksal <fe$ Landes in die Hände der Juden gelegt werden — selbstverständlich unter Wahrung der Rechte der starken arabischen Minderheit. Ueber die Grenzen Palastinas wird noch verhandelt, doch ist eine gleichzeitig von historischen und wirtschaftlichen Rücksichten geleitete Lösung wahrscheinlich, die uns die Verfügung über den Unterlauf des Lilani und samtliche Jbrdanquellen im Norden und Zugang zur Hedschasßahn im Osten geben wird'. Ebenso sind noch wichtige wirtschaftspolitisehe Abmachungen zu treffen, die der politischen Form erst Blut und! Leben geben werden. , Das beherrschende Problem der nächsten Jahre ist darum die Erringung der jüdischen Majorität, nicht zur Unterdrückung einer Minorität, sondern zur Sicherung des jüdischen Charakters Palastinas. Damit wird das Tempo der Einwanderung von grosser Bedeutung, und dieser Frage widmete die Tagung eine ausgedehnte und lebhafte Debatte im Anschluss an ein Referat von Davis Tsrjetsch. Hier stehen sich zwei Auffassungen gegenüber. Die eine, ausgehend' von der vermutlich sehr starken jüdischen Auswanderung aus Osteuropa nach Friedensschluss, dst der (Meinung, dass bei Anspannung aller Kräfte der grösste Teil dieser aui Hunderttausende zu schützenden Auswanderung schon jetzt in dzn*aliQr£rsi<m Jahren von Palästina aufgenommen werden kann, dass abo Palästina in kürzester Frist dias Auswanderungsland der Juden sein kann. Die andere, besonders von Palästinensern vertretene, hält dies bei dem augenblicklichen Zustand Palästinas und seiner Aufnahmefähigkeit für die> nächsten JaSilre für ganz unmöglich und ist der Meinung, dass trotz umfassender Vorbereitungen für eine Grosskolonisation die {Einwanderung der ersten Jahre sich in massigen Grenzen wird halten müssen. Erst wenn systematisch die Aufnahmefähigkeit des Landes durch ErsdiUessungs arbeiten gesteigert ist, kann in den folgenden Jahren die Besiedlung in rascherem Tempo fortschreiten. . Diese zweite Anschauung ■wurde beim Abschluss der sehr lebhaften und eingehenden Erörterung von einer starken Mehrheit der Delegierten anerkannt. Damit ist nur von neuem ausgesprocheis, was die zionistische Bewegung schon immer betont hat: dass der Zionismus aiicht in erster Linie der Lösung der Judennots-Frage dienen kann, sondern der nationalen Sicherung des Volksbestandes in Palästina. 'Alle zionistischen Kreise aber drängen auf energische Inangriffnahme dkr Vorbereitungen für eine grosszügige Siedlung in Palästina. Dazu ist vor allem ein üeberblick über die Aufgaben der nächsten Jahre . unerlässlichu Diesem Üeberblick galten eine ganze Reihe von "Referaten, die dem Delegiertentag den Stempel einer stark sachlichen Tagung aufdnk2-rt<m. Beleuchtet wurden die gewaltigen Aufgaben des Bauwesens uncf seine Organisierung, die Sanierung des Landes durch Bekämpfung der endemischen Krankheiten, die Aufgaben des Krankenhauswesens und die Organisierung des Heilpersonäls, die Kontrolle der Einwanderung, die Aufgaben der Frau in Haus und Beruf, endlich die Beschaffung der