Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 17 (10.6.1919)
- Article
- Die Palästina-Tagung der deutschen Zionisten
- Date
- 1919-06-10
- Page
- Seite 356 (sequence 4)
- Language
- German
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3S4 . sdicfautig dieser sozialen Debatte tet vielleicht die: Eine „kapitalistische" Richtung int alten Sinne gibt es innerhalb des Zionismus, der Palästina (frirfriich Kolonisieren will, überhaupt nicht; auf der anderen Seite gibt es eine stark national gesinnte Arbeitergruppe, den Hapoef HazaTr, dessen „Volkssoziah'stmis" glücklicherweise kein systematischer und kein auf dein Klassenkampf aufgebauter materialistischer Sozialismus ist, sondern ein idealistisch motivierter Geist starker Reformfreudigkeifc' unter Betonung der Volkseinheit. Eine gesunde Entwicklung wäre gesichert, wenn diese Schicht und das sozialgesinnte Bürgertum sich zu gemeinsamer Arbeit fänden. Sie wäre schwer gefährdet, wenn der „Hapoef HazaTr" ins Schlepptau der marxistisch-orthodoxen Poale Zion geriete. Die von der Tagung mit geringen Veränderungen angenommenen sozialen. Resolutionen des .Hapoel HazaTr bieten eine Plattform für eine solche stark links gerichtete Verständigung. Das wichtigste praktische Ergebnis der Tagung ist die beschlossene 'Einrichtung eines Palästina-Amtes in Berlin. Eine solche Einrichtung war auch für Deutschland notwendig geworden zur Zentralisierung aller der auch hier zahlreichen Kräfte, die direkt nach Palästina tendieren. Es muss zunächst ein Ueberblick über das MenschenmateriaT, tfss zur Auswanderung nach' Palästina entschlossen ist, ermöglicht werden, ©lese Einzelnen müssen in geeigneten Oruppen zusammengefasst, beraten, beruflich vorbereitet und schliesslich an die zukünftige Einwanderungs- 'Zfentrale in Palästina übergeleitet, untaugliche Elemente rechtzeitig ausgeschaltet werden. Da bei einer Ueberwanderung erhebliche Berufsuiwsdiichtungen, insbesondere durch den Uebergang junger Leute zur Land- Wirtschaft, notwendig werden, 'wird eine solche Zentrale vielseitige und schwierige Aufgaben zu erfüllen haben. Das Palästina-Amt wird' vor allen Dingen auch enge Beziehungen zu anderen Organisationen der deutschen Juden herzustellen: haben. Es handelt sich hier um praktische Arbeiten, die Snit politisch-zionistischer Parteitätigkeit nichts mehr zu tun haben. Der Aufbau eines jüdischen Palästina ist, über alle Parteien hinweg, eine gewaltige gesamt-jüdische Aufgabe, die nur durch Zusammenwirken aller 'jüdischen Kräfte gelöst werden kann. Es ist deshalb als Zeichen erweiterten Verständnisses lebhaft zu begrüssen, dass in ständig wachsendem Masse auch nicht-zionistische Organisationen das Palästina-Programm ist Ihren Tätigkeitsbereich einbeziehen. Denn das ist, wie die Dinge jetet liegen, im eminenten Sinne neutrale, allgemein-jüdische Arbeit. Zahlreiche organisatorische jüdische Kräfte, die bisher in halbem Dämmerschlaf dahinlebten, werden in dieser auf ein grosses historisches Ziel gerichteten Arbeit eine freudige und schöpferische Tätigkeit finden können, eine Erscheinung, die in anderen lindern bereits klar hervortritt. Es fv/Zire ein trauriges 'Zeichen der Erstarrung und Vereinsamung, wenn das deutsche Oesamtjudentum dieser frischen alijüdischen Bewegung zur S-dhafirung einer nationalen Heimstätte in Palästina mit, den kleinlichen, überlebten Bedenkljchkeiten einer vergangenen Epoche gegehubertreten rnxSz,