Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 16 (25.5.1919)
- Article
- Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums
- Date
- 1919-05-25
- Page
- Seite 349 (sequence 8)
- Language
- German
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fettenden Grundsatz der geistigen Heroen dieses Volkes. Vielmehr werden Ansiedlung in Städten, Ackerbau und Gewerbeflciss, Ausschmückung der Lebensumgebung, künstlerische Verzierung der Gotteswohnung und Pflege der Künste überhaupt in den hebräischen Schriften als selbstverständliche vmd rühmenswerte Arten der menschlichen Betätigung erwähnt Ja, es wird ausdrücklich erzählt, dass eine Völkerschaft, welche wirklichdas beduinenhafte Dasein (nämlich die Vermeidung von Iiäuserbau, Ackerbau und Weinbau) als ihr Ideal ansah, eine kulturgeschichtliche Enklave innerhalb des israelitischen Staates bildete. Das waren die Rechabiter (jer. 35,2 ff.). Folglich lässt sich der Selbständigkeitsgrad der hebräischen Kultur nicht durch den Hinweis auf ein angebliches Beduinentum als den Vater dieser Kultur herabdrücken. Zweitens liegt, da der erste Patriarch ja zweifellos vom südlichsten Babylonien ausgegangen ist,42) die Annahme nahe, dass die kulturgeschichtliche Sonderstellung der Hebräer durch ihre Vergleichung mit den Babylonien? zu einer bloss relativen gemacht werden könne. Diese zweite Hauplansicht ist ja im Gegensatz zur sogenannten Wellhausenianischen Schule seit 19Q2 hauptsächlich wn der panbaby Ion istischen Schule (St. Jeremias usw.) vertreten worden. Aber vor allem ist es gar kein Moment im geschichtlichen Bewusstseia der Hebräer — und diese dürften doch billigerweise auch um ihr Urteil zu befragen sein —, dass der hauptsachlichste Sonderbesitz ihres Volkes, dessen Religion, irn Verhältnis der Achnlichkeit und Verwandtschaft zum babylonischen Religionswesen stehe. Vielmehr bezeichnet Trennung vorn Glauben der aus Babylonien stammenden Vorfahren Abrahams den Anfang seiner religionsgeschichtlichen Stellung (Jos. 24,2; Gen. 12,1 usw.), und eins fortgesetzter Protest der primären Vertreter von Israels Religion gegen den. babylonischen Götterglauben bestätigt jenes ausdrückliche Zeugnis der Geschichtsbücher.. Sodann ist es auch den neuesten Darlegungen über die Religion der Babylonier und Assyrer keineswegs gelungen, Monotheismus oder auch nur „monotheistische Strömungen" (A. Jeremias) am Euphrat und Tigris nachzuweisen. Weder solche erleuchtete Herrscher, wie Hammurapi, der in der Einleitung zu seiner bekannten Gesetzgebung innerhalb der drei ersten Zeilen vier Götter erwähnt, noch Dichter, wie z, B. der Urheber des Schöpfungsepos43), noch auch Priester, wie z. B. der Belspriester Berossos, kennen den von einigen Neueren behaupteten Monotheismus der Babylonier/4) Die Religionsgeschichte Babyloniens kennt rtur Henoiheismus/5) das zeitweilige Hervortreten einer Göttergestalt aus *2) Die wieder von Kittel, Geschichte des Volkes Israel! (1916), 467, vertretene Meinung, dass das Ur der Chaldäer „im oberen Tigrislarid" gelegen habe, meine ich vollständig widerlegen zu können, gehe aber hier nicht darauf ein (vgl. meinen Kommentar zur Genesis' 1919, S. 434 f.). 43) Auch von C. Bezold in „Uetzmanns Kleinen Texten" (Bonn bei Marcus und Weber) übersetzt. 44) Einen detaillierten Gegenbeweis kann man in „Geschichte usw.7' 1915, 122 ff. finden. <*5) Wie F. Max Müller ihn zuerst am indischen Religionswesen beobachtet und darnach definiert hat (Vorlesungen 'über Ursprung und Entwicklung der Religion, S. 312).