Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-05-25 · Heft 16 (25.5.1919) · p. Seite 348

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 16 (25.5.1919)
Article
Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums
Date
1919-05-25
Page
Seite 348 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908746-2911858--2483-2911885
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■2,.Welches aber war der Qtiellpunkt der Faktoren des hebräischen 'Geisteslebens, die diesem e ige ntüm Ii ch waren? Nun was auf diese Frage vor allem gesagt werden muss, ist folgendes. Von der Möglichkeit einer zweifellosen Beantwortung dieser Frage hängt die Bestimmung des Sclbständig*<eltsgrades der israelitischen Kultur keineswegs in letzter Linie ab. Denn die betreffenden Kulturbcstandteile würden tatsächlich «eigenartige bleiben, auch wenn ihr Ursprung nicht vollständig enthüllt werden könnte. Doch soll die Frage nach diesem Ursprung trotzdem aufgeworfen und nach Möglichkeit beantwortet werden, weil durch die dabei vxuXvmdige Beleuchtung «moderner Versuche, die ds^nartig^n "Bestandteile der Kultur Israels abzuleiten, deren Besonderheit nur um so klarer hervortreten und dadurch die kulturgeschichtliche Stellung dieses Volkes um so fester bestimmt werden wird. Was nun zunächst die obenerwähnten weniger bedeutenden selbstständigen Momente der israelitischen Kultur, wie die teilweise Bevorzugung des Dezimalsystems oder die feinere Ausbildung der Kunst der Rede und <2cr Geschichtsschreibung, anlangt, so ist darauf hinzuweisen, dass es individuelle Entwicklung bei Stämmen und Völkern zweifellos ebenso gibt, wie bei den einzelnen Persönlichkeiten, Oder könnte 'man, um dies zu-veranschaulichen, nicht auf dem sprachlichen Gebiete anfangen und auf manchem andern Gebiete fortfahren, eigenartige Richtungen der Betätigung, Begabung und Neigung bei Stätamen und Völkern aufzuzählen? Sodann die hervorragenderen Bestandteile der kulturgeschichtlichen Eigenart Israels hat man neuerdings wesentlich auf zwei Quellpunkte zurückführen zu können gemeint. i Erstens ist vielfach auf den Zusammenhang dieses Volkes mit dem Sefmitismusi Und Beduinen!um hingewiesen worden. „Le desert est monoth&ste" war ja eine der geistreichen Sentenzen von Ernest Renan38), und seitdem ist das „Beduinenideal" mehrmals als der Ausgangspunkt der religiösen und ethischen Besonderheit des Volkes Israel hingestellt worden.39) Aber vor all eta ist jener Satz Renans mehr frappierend, als wahr gewesen. .. Denn nicht ein'mal diejenigen semitischen Völker, welche ihren hervorragenden Aufenthalt in der arabischen oder syrischen Wüste gehabt haben, be- .'■ Bassen eine monotheistische Religion/0) und der Begriff Allah (d.h. al- -üahu, der — wahre und einzige — Gott) ist ist dem vo r mohammedanischen Arabien durch jüdisch-christlichen Einfluss geboren worden.41) Sodann Ist das hebräische Volk nach seinen eigenen Quellen gar nicht von der Wüste ausgegangen, und nach, diesen Quellen wfar das Bedüinenideal auch kein Motiv der führenden Geister dieses Volkes. Weder äusserlich noch innerlich, weder in Bezug auf den Aufenthaltsort noch in bezug auf Verhalten oder Vorschriften finden wir in den Quellenschriften Israels die Kulhirscheu als ss) Hisftoire g£n£ra!e et systfcme comparS des langues semitiques, 2. Edition, p. 6. ■ s») Vollständige Angaben der Namen von Vertretern dieser Hypothese' und ihrer Werke findet man in „Geschichte usw." (1915), S. 133, 135 f. Ä0) Drei edomitische Götter sind in den Quellen genannt usw. (siehe die Eissel ele^e a, a. O., S. 120—22). «) Georg K. Jacob,. Altarabische Parallelen zum A. TV (1898), S. 15..

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.