Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 16 (25.5.1919)
- Article
- Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums
- Date
- 1919-05-25
- Page
- Seite 350 (sequence 9)
- Language
- German
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348 dem Pantheon, und monarchistische Zuspitzung des Polytheismus,., wie man sie z. B. beim griechischen Zeus kennt. Folglich klafft zwischen der babytonischen und der hebräischen Kultur trotz aller neueren Ueberbrückung«* versuche auch auf dem religiösen Gebiete eine unausfüllbare Kluft, wie beide Kulturen sich auch sonst durch eine ganze Reihe anderer Differenzen, wie z. B. in bezug auf das Opfermaterial und verbotene Speisen voneinander unterschieden haben.46) Folglich ist auch beim Suchen nach einer genetischen oder ursächlichen Verknüpfung der hebräischen Kultur mit der anderer Völker der Orad ihrer Selbständigkeit nicht vermindert worden, geschweige denn dass sie ganz beseitigt worden wäre. Vielmehr muss dem Geiste des vergleichenden Betrachters sich auch in bezug auf den Quellpunkt der Eigenart der hebräischen Kultur das Urteil aufdrängen, «dass auch das hundertfältig, positiv* und negativ, in den Quellenschriften ausgeprägte Bewusstsein von einem besonderen Ausgangspunkte des Hauptbestandteils dieser Kultur als eine geschichtlich gegebene Tatsache anzuerkennen ist. Jedenfalls muss der Kulturgeschichtsschreiber, so lange er ein solcher bleiben will, seine Aufgabe dann für erledigt ansehen, wenn er den objektiven Tatbestand der Geschichtsqueilen ohne Abzug und Eintragung zur Darstellung gebracht und wenn er die komparative Methode zwar befolgt, aber dabei sich doch vor einer Nivellierung der einzelnen Kulturgebiete gehütet hat. Dass die Anwendung dieses rein geschichtlichen und rein vergleichenden Verfahrens aber in unserer Zeit gerade in bezug auf die Erforschung der kulturgeschichtlichen Stellung Israels besonders geboten ist, kann bei dem in ihrer Beurteilung jetzt leider vielfach herrschenden Belieben nicht zweifelhaft sein. . .. Die Ritualien des Judentums im Lichte moderner Wissenschaften Von San.-Rat Dr. Laserstein, Berlin-Friedenau ie Ritualien des Judentums zeichnen sich durch eine auffallende Schärfe der Naturbeobachtung aus, wie überhaupt die ganze Gesetzgebung Mosis, ohne dass ich behaupten will, dass viele Gebräuchenicht anderen Völkern wie den Aegyptern, vielleicht auch den Griechen entlehnt sind. In schärfstem Gegensatz steht das reale Judentum jedenfalls zu dem ideell philosophischen Christentum, wenngleich die christliche Kirche, die Trägerin des christlichen Ideals, leider stets eine übergrosse Realität gezeigt hat. Diesem Missverhältnis ist die Reformation entsprungen und die verhältnismässig geringen Erfolge im Bereiche des »christlichen Ideals der Nächstenliebe, während die „ äusseren Erfolge es zweifellos zu einer Weltmacht geführt haben. Das alte Testament kann man als Volksepos bezeichnen, während das neue nur in einigen Stellen an die natürliche, kernige, sich nie widersprechende Darstellung heranreicht. Daher kann man wenig darüber erstaunt sein, dass die Ritualien des Judentums in allen Fällen mit der heutigen Wissenschaft übereinstimmen. Im folgenden sollen einige wichtige Rituale in diesem Sinne besprochen werden.!) Im einzelnen belegt in „Geschichte usw." (1915), S. 335—40.