Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 16 (25.5.1919)
- Article
- Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums
- Date
- 1919-05-25
- Page
- Seite 347 (sequence 6)
- Language
- German
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„Vater und Schöpfer" atiriefen;us\y.95) Als» ist es doch sehr fraglich, 'ob die babytonischen Flutcrzahlungen mit ihrem Götterzank und ihrer unzarter? Ausdrucksweise über die göttlichen Wesen, wie r. B. dass sie sich zusammenduckten wie iHunde an der Mauer oder um das Opfer sich wie Fliegen sammelten, das Ursprüngliche gewesen sind. Jedenfalls müsste, wenn sie das Original wären, der :Gesst um so mehr bewundert werden, der aus einer solchen Vorlage das so rein monotheistische und das Göttliche niat so zarten Farben malende Nachbild hätte schiaffen können, das in der hebräischen Literatur vorliegt. Endlich neigte man zu der Voraussetzung, dass bei den Babyloniem die ursprünglicli/e, Form der FSuterzahlung .Vorliege, auch deshalb leicht, weil man annahm, dass die Flutsage überhaupt^im Tieflande des Euphrat-Tigsis ihren realen Ausgangspunkt besessen habe. Aber die babylonischen Darstellungen enthalten selbst Anzeichen davon, dass dies nicht der Fall ist. Denn sie lassen das Schiff des Utnapischtim am Berge Nissir landen. Aber bis zu diesem Bergender nordöstlich .vom oberen Tigris liegt, hätte d?& Schiff nicht durch eine .Ueberschwemmung getragen werden können, dte im Mündungsgebiet des Schatt-el-Arab durch einen Zyklon u) hervorgerufen worden wäre. Ausserdem ist in der babylonischen Flutgeschichte, wie In der biblischen, betont, dass so eine Flut nicht wieder hereinbrechen solle; denn die Göttin Ischtar will diese Flut „in Ewigkteit nicht vergessen."35) Also da ist nicht eine Ueberschwemmung vorausgesetzt, wie sie häufige? durch eiinen Südsturm vom persischen Golf herein zuwegegebracht wird. , Die erwähnten drei Meinungen hätten aber um so weniger zu der Voraussetzung führen sollen, dass die babylonische Fluterzählung das Original für die hebräische darstelle, als die b aby fon is che Darstellung positive Anzeichen späterer Abfassung enthalt. Denn in Ihr ist vsht einem Wirklichen Schiff, einem Hebeschmaus bei dessen Vollendung, eifern Schiffskapitän, der Feier des Neujahrsfestes und dem Perlenschmuck der Göttin Ischtar die Rede, was doch alles Dinge sind, die auf eine spätere Stufe der Kulturentwicklung hinweisen, als sie natürlicherweise bei der Generation anzunehmen ist, welche ran der Flutkatastrophe betroffen wurde. b) Weiterhin bei solchen Bestandteilen der hebräischen Kultur, die sie mit derjenigen fremder Völker gemeinsam hat, kann zum Teil an ParaUelcntwicklung und zum Tei! an Entlehnung gedacht werden. Der letztere Vorgang ist entschieden in bezug auf die Schrift und die älteren Monats* namen anzunehmen, die Israel mit den Phöniziern gemeinsam hatte (Exod. 13,4 usw.; 1. Kön. 6,37f.; 8,2)3«), bis dann die Monatsnamen eingeführt wurden (Sach. 1,7; Neh. 2,1 usw.), die „in ihrer Hand aus Babel gekommen. sind."37) 33)-Ed v. Lehmann in „Die Kultur der Gegenwart" I, III, 1 (1906), Seite 26. sä) Frd. Delitzsch, Babel und Bibel, S. 30. 35) C. Bezold, Babylonisch-assyrische Texte übersetzt (1911 in „Uetz* manns'Kleinen Texten"), S. 22; Gen. 8,22 und Jes, 54,9.. 36) A. Bloch, Phönizisches Glossar (sehr nützlich!), S. 18: Ethanirru 37) . 'Jerusalemischer Talmud, Rosch ha-schana 3,2. . .