Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 16 (25.5.1919)
- Article
- Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums
- Date
- 1919-05-25
- Page
- Seite 344 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2908689-2908735-2908746-2911858--2479-2911881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
342 Kjohortativen und Imperativen, von denen die hebräische Literatur förmlich ^yjderhallt! Die hebräische Geschiehts a u f f a s s u n g ist aber fern davon, den Mensdien sozusagen nur als eine Zadke in einem Riesenschwimgrad des Gesthichtspito?zes&es zu betrachten. Diese letztere Anschauung ist ja neuerdings mehrfach den Babykmiem zugeschrieben worden, indem man sagte, dass bei ihnen die Gestaltung und der Verlauf der irdischen Dinge nach der Fomiel „HsmsnetsbiTd Weltenbild" od e r „ M akrokosmus Mikrokosmusu aufgefasst worden sei.23) Aber erstens meine ich nachweisen zu können, dass diese istanMmechanische Betrachtung des Geschichtsverlaufs nicht einmal frei den Babytoniern geherrscht hat. Denn in ihren Geschichtsaufzeichnungen liest man z. JB.: „Die Furcht vor dem Schrecken, meines Königtums bedeckte die Fläche des Himmels und der Erde. Deshalb blickten die grossen Götter mit ihrem strahlenden Antlitz auf mich/'24) Also die von dem betreffenden ajtbabylonischen Könige Samsu-iluna ausgeübte Herrschaft rief sm Verhalten der Götter eine Konsequenz hervor. Demnach ist nicht davon die Rede, dass das menschliche Tun nur ein unselbständiges Nachhinken auf dem vom Himmel her vorgezeichneten Wege sei. Allerdings aber Isaben die Eabybnier eine Theorie von Weltzeitaltern auf den Verlauf der Geschichte angewendet. Denn Berossos hat in seiner Geschichte der Chaldaer die Periode der vorflutlichen Könige mit 120 Saren (je 3600 Jahre) und *die Periode von der grossen Flut bis zur persischen Eroberung Babylonäens mit zehn Sjaren (also 36000 Jahren) angesetzt. Diese scha- Monisierende Absteckung von Zeiträumen füf die Wendungen der menschlichen Entwicklung ist von den Hebräern nicht angenommen worden (vgl. meinen Kommentar zur Genjesls 1919, 316 f.), wie ja. auch bei Jden Hellenen zwar Stufen der menschlichen Kulturentfaltung unterschieden worden sind,25) aber äusserlichg, zahlenmässige Eingrenzußgen dieser Entwicklungsstufen auch ihnen fern lagen. Folglich hat sich ein sfehr u n orientalischer Individualismus, welcher in der hebräischen Staats- und Geschichtsauffassung leuchtend hervortritt, als das letzte m der Reihq vfon] Momenten enthüllt, die der hebräischen Kultur das Gepräge einer besondieren Höhe und grosser Selbständigkeit aufdrücken. .. IL Oder verschwindet die letzterwähnte Eigenschaft der Kultur Israels, wenn nunmehr zweitens diese kulturgeschichtliche Stellung der Hebräer Knier den Gesichtspunkt des ursächlichen Zusammenhangs gebracht wiix!?, Bei dieser Untersuchung fasst man aber naturgemäss zuerst das ins Auge, was die israelitische Kultur mit der anderer Völker des Altertums gemeinsam; Itat^unjd beurteilt dann,das hinsichtlich seiner Herkunft md Tragweite, was ihr eigentümlich ist. ss) So z. B. H. Win «ekler, E>ie babylonische Geisteskultur (1907), Seite. 116. ' Bei Eber h. Sehr ad er, Keilinschriftliche Bibliothek, Bd. III, 1, Seite 32 f. . 2ß) Hesiod, Werke und Tage, V. 109ff.