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Neue jüdische Monatshefte · 1919-05-25 · Heft 16 (25.5.1919) · p. Seite 343

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 16 (25.5.1919)
Article
Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums
Date
1919-05-25
Page
Seite 343 (sequence 2)
Language
German
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341 wichtiger Hilfsfaktor der Moralitat, zerstört werden. Doch schon genug der Belege! S'-dhton nach den gegebenen kann ein gerechter Beurteiler nicht in Abrede stellen, dass aufdh über dem sittlichen Grundbewusstsein detr Hebräer und über manchem ihrer Moralprinzipien ein eigenartiger Glanz: sdhwebt. Wie oft hat man ihra neuerdings verkannt!20) iSo ist aber auch noch der und jene andere Zweig der KuIturbctätigiMig bei den Hebräern, mag er relativ von ihrer Religion beeinflusst oder davom ganz unabhängig sein, ein Zeuge ihrer geistesges^hichtlichen Höhenlage. . Werfen wir zunächst weiter einen Blick auf deren Staats Verhältnisse! Zweifellos wird nach der durchherrschenden Anschauung des Schrifttums der Israeliten die Staats form bei diesem Volke von dem Grundgedanken belebt, dass die Gottheit selbst die oberste Regentin des Volkes sei: der Ewige soll König sein! (Exod. 15,18 usw.). Ist nicht dies schon ein höheres Prinzip, als die weithin im Altertum21) verbreitete Idee, dass die Gottherrschaft rjm menschlichen König verkörpert sei? Aber mit jenesa leuchtenden Ideal, das den fuhrenden Geistefn Israels in bezug auf die Staatsverfassung vorschwebte, war auch noch mehr als eine Konsequenz verbunden, durch die das Gemeinwesen dieses Volkes über die altorientalische Schablone hinausgehoben wurde. Dens welche freie Bahp wurde durch jenen Grundgedanken für den Staatsbürger eröffnet! Jeder stand ja direkt dem himmlischen Herrscher gegenüber und konnte als Heid, als rettender Helfer in der Nc£ <fe Vater;- o ' landes, das tatkräftige? Organ jenes Herrschers werden. Ausserdem welche breite Gasse war durch jenes oberste Prinzip der Staatsverfassung auch der Volk sfre i hei t gebrochen! Das Volk in seinen Vertretern besass infolgedessen von vorn herein die entscheidende Stimme bei grösseren offen- Ikhen Unternehmungen (Rieht. 20,1 usw.).22) So erweist sich jener oft mit Geringschätzung betrachtete Grundgedanke von der Königsherrschaft de> ewigen Gottes bei genauerer Erwägung als ein recht un orientalisches* Pfeiler der Freiheit der Volksgemeinde. Als selbständig innerhalb seiner örtlichen und zeitlichen Umgebung erweist sich das Volk Israel schliesslich auch in bezug auf seine Ge- Schichtsanschauung/ Djenn in., den Geschichtsdarstellungen der Hebräer steht der Mensch durchaus als Persönlichkeit da, die selbst in letzter Instanz sich die Bahn ihres Handelns w,ä'hüt. Ja, obgleich der hebräische Geschichtsschreiber das ganze Gewebe des Gesehichtsveriaufs vom Wissen der Gottheit umspannt öein lässt, ist lähmender Fatalismus ihm doch unbekannt. Wie deutlich zeigt sich dies schon an den 20) Gegenüber Frd. Delitzsch, H. Winckler, A. Jeremias und anderen ist dies in meinem „Bibel und Babel" (1.—10. Aufl. 1Q02L) aufgezeigt worden. Besseren Ersatz gibt jetzt meine „Geschichte usw. 1 (1915), S. 131 i, 214, 278-82. 21) Bei den Aegyptem, Baby(oniern, Assyrern," Persern usw. 22) Nurähnlich wurde auch beiden Grie chen die grössere Volksrnasse versammelt, nämlich bloss in ganz ausserordentlichem Fällen und wohl nur um zu hören, wie Hermann, Lehrbuch der griechischen Staatsattertümer, 6. Aufl., S. 61 f., darlegt.

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