Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 16 (25.5.1919)
- Article
- Die wirtschaftliche Zukunft der Ostjuden
- Date
- 1919-05-25
- Page
- Seite 334 (sequence 3)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
- Riga 1× ep/1000826
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,3o2 c?29 rassischen «Handels aiach wie vor «iurch jdie'JRajKiländer gehen müssen. Der Kotevxd Getrcidchandel Russlajids fr.t nicht denkbar ohne die Ausfuhr über Riga, Reval tivA Odessa. Die Getreideversorgung Westrusslands ist nicht ssöglich ©Ji&e dSe Getreideschiffe aus der Ukraine. Insoweit wird also dar jüdische Fen&andel in seinem Besitze unangetastet bleiben. Aber dieser Fernliandel ist «nur ein Handel der Grosskm und wird in Rmssland vielleicht nur efri Handel des Staates werden. Und was aus den blassen werden wird, das ist eben eine Frage nicht des Warenstromes, sondern alhr Wahrscheinlichkeit nach des Menschen Stromes, Das ist Engst erkannt. Es ist in dier ^jüdischen Presse mehrfach ausgesprochen, cäasa das <Ausv/andcrungsproM«em nach dem Kriege sich ins Riesengrosse erheben wirf, Und damit erhebt sich die noch schwierige Frage, wohin sollen diese Massen wandern? Mehrare Wege sind1 denkbar. Entweder 1. Berufliche Um- Gruppierung": eine Veränderung des Berufes oder 2. räumliche Umgruppierung: eine Veränderung des Aufenthaltsgebieies, eine " jMaasenabwandkrung aus dem Rayon. Diese ist wieder denkbar nach Uh&ersee, jrtacSi Mitteleuropa oder nach Osten. Die einen sagen: die Jfeden sollen, ihren Beruf wechseln, sie sollen vom Verrnittlertum und vom Rcingeistigen sich abkehren, sie sollen sich der Muttererde wieder zuwcaden, sie .sollen Ackerbauern werden. Ich mochte kurz die Frage erörtern, ob es aussichtsreich ist, die Ostjuden hier oder in Palästina der Landwirtschaft zuzuführen. Man spricht davon, dass in Palästina im ganzen 13 000 Juden als Landarbeiter ansässig seien. Das wärem< 2000 Familien, Man spricht davon, dass in Amerika 60C0Ö jüdische Farmer seien, wie viel Familien wird nicht gemmnt Und einzelne wollen daraus folgern, dass unter den Juden die Rückkehr zum Lande im Gange sei, und dass man nur den rechten Kachdruck dhhintcrzu&etzen brauche, um ein richtiges jüdisches Bauerntum wieder assfleben zu sehen; Dem steht;aber die seltsame Tatsache gegenüber, dass such in den Zeiten, v/o sich der Jude in Russland frei ansiedeln konnte, trotz bitterer Armut eines grossen Teiles; von ihnen, nur eine ganz unbedeutende Zahl wirklich mm L,andbau übergegangen ist. Dem steht die unwiderlegbare Tatsache gegenüber, dass in Deutschland und Oesterreich,: in England, Frankreich und Italien, überall wo keine gesetzliche Beschränkung ihnen den Ackerbau verwehrte, und wo dieser Besitz oftmals recht rentabel war, nicht das geringste von einer Judenansiedlung zu bemerken t£. Dem steht endlich die Beobachtung gegenüber, dass auch in den sogenannten jüdischen Bauerndörfern in Kurland, von denen ich einmal eines gesehen habe, der wirkliche Ackerbau ganz zurückstand. Es war vor &Hea Dingen Gartenbau und' es waren die Erzeugnisse der Tierzucht, die £o?i aber nicht nur gezogen, sondern sehr stark auch gehandelt wurden. Eü soll gewiss nicht bestritten werden, dass im einzelnen sich erfolgreiche - p-Bsche Siedler finden. Und es soll auch nicht bestritten werden, dass diese . einzelnen eine t verhältnismässig grössere Zahl werden können, trotz vieler irifcglüd'ier Kolonisationsversuche. Aber was bestritten werden muss, ist die. Möglichkeit des Versuchs, in grösserem Stil, eine städtische Szx&^z&vsq umzuwandeln Ln eine Landbevölkerung, Der Versuch ist schon-