Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 15 (10.5.1919)
- Article
- Schalom Asch
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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'322. des getauften Judenfeindes Weininger von der Irreligiosität der .Juden * wie eine- Seifenblase zu zerwehen. Die Judai beten im Walde. Alle Stimmen fläessen in einem einzigen grossen Akkord 'zusammen, alles hat sich umschlungen und ist ein Gebet,;cia Herz, eine Seele geworden. Und dort tief im Wakie ist der Abglanz Gottes eingezogen zwischen den Baumen und betet mit. Und Gott und Welt ineinander versenkt, halten gemeinsam Andacht Nicht aliein Genuas isi% V/an. wir beim. Aufnehmen derartiger Bilder in uns empfinden, es ist Erhebung und Bereicherung unserer Seelen. Wie* eine Offenbarung müssen derartige SsrihaSderungen auf unsere Brüder im Osten wirken, die sich weder Walt Whitm ann und Hermann Hesse übersättigt haben, noch Adalbert Stifter kennen. Man würde jedoch' Asch unrecht tun, wenn man ihm. Anlehnung vorwerfen wollte. fiass er seine eigenen Wege wandelt, beweist seine Skizze „Auf dem Wege nach Schemenitz." Diese trotz aller Sinnlichkeit verinitertichte Natuaanschauung, diese Ahasverempfindungen, wie siesich hier offenbaren, können nur einer 'jüdischen Seele eigen sein. „Eine herrliche Welt Ist es, 'eiae* Gotteswelt. . .> Und wahrend ich alles betrachte, steigt in mir cia Gefühl, der Scham auf, v/eil ich allein über all die Graser ringsumher emporrage.' iWeshalb v^ohl? Alles1 wächst ausder Erde heraus*, alles wurzelt in der Erde, nur ich! allein wandle unruhig umher, als hätte ich &vkk von der Erde Eosgeris'sen, um ewig im Weltenraum zu schweben. Ja, Ich habe,. Vater und Mutter verlassen, bin allein wie eine Waise und suche aadx einem Ort der Ruhe. , . So hat er unserem Schmerz der Heimatlosigkeit, unserer Sehnsucht s?adi eigener Erde die Zunge geSöst. Er hat auch einen neuen Typus geschaffen: Ben jüdischen Bauemjungen, der ungebildet, robust, starkknochig und bei alledem' gutmütig ist. Er scheint mit den ewig lernenden Talmudjüngern nicht besonders zu syrapaihbieneaJ Elfei wilder* Geselle, der die Bücher meidet und »ich im Frefea herumtreibt, ist ihm, der selbst wie ein Naturbursche anmutet, lieber. Ist doch-In "das Herz dieser Geringen im Geiste eine grosse Liebe zur Natur gepifonzt." So «einer ist vor allem der Meine Jaschek. Schon der Name dieses Sohnes des Pächters Izchok ist nicht jüdisch. Ein rechter Bauernnam^ Und ein BaucraschädeL Nichts' fasst er auf. Tummelt sich doch sein TrZiger asn liebsten im Freien, fern von den Büchern und Bethäusern. Uäd dennoch erkennt er Gott in seiner Weise. Er fühlt ihn mit dem "Herzen er -^:eht ihn überall, soweit sein Auge reicht. Und er hat für Gott ein Gebet ohne Worte. . . . Am Jörn Kippur beim Ünssaneh Tokef packt ihn das Verlangen, Gott zu preisen auf seine Art, so mächtig, dass er, wie er es Irs& Freien tut, die Finger an den Mund legt und mit einem langgedehnten PIUS ndie Luft durchschneidet. . . . Der- Humor daran ist, dass desi S'abbj sich wendet und fragt: „Wo ist der Heilige, wo ist der Zadik, der chn- Hornel durchbohrte, damit unsere Gebete vor den Thron Gottes . •drai^cn?" Indessen rennt der kleine Zadik barfuss nach dem Dorf. Es . ist erie säive.tmd doch imponierende Konzeption 'in diesem OhettöbikSe. Solche starben Momente finden sich in Aschs Dramen nicht. Es fif^ als begäbe, er sich aufbin für ihn fremdes T3ebiet. Den Lyriker'Scana