Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 15 (10.5.1919)
- Article
- Schalom Asch
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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32! Vorgängfern und Mitstrebenden, vervollkommnet. Schalom Asch entlockte diesem. Instrument neue Töne, dem Ghetto ungf4cannte Naturstimmungen zauberte er hervor und verkündete eine neue Liebe, die Liebe zur Mutter Erde . . . zum All. ... Er ist ein Naturkind, mit Wolke und Welle innig vertraut, mit Bäumen und Blumen verwandt, den Vögeln in der Luft, den Fischen im Wasser ein Bruder. Alles ist und hat Teil an der Raumseele. Hinter allen Geschöpfen dieser Welt, sieht er Gott. Seine Seele taucht in die Sterne über seinem Haupte oder in den Strom zu seinen Füssen, und betet: „Schöpfer, warum trönst Du fern im Himmel? Warum verbirgst Du Dich in Wolken? Steige herab auf die Erde — oder wäre es Dir ein Mangel, wenn die Menschen Engel wären? Schöpfer, warum schiedest Du mich von Deiner Welt? Warum gabst Du mir Füsse, hier nur zu wandeln, Ohren zu hören, Augen zu sehen, ein Herz, all dies zu fassen und zu empfinden, und ich will doch nur vermengt, vereinigt sein mit dem All." . . . Er kann, in den Anfängen zumal, sich nicht genug tun an berauschenden Bildern, an farbigen Stimmungen. Aber die Natur ist bei ihm nicht etwa bloss Kulisse, ad hoc präparierter Aufputz, sie ist /Vusfluss seines eigenartigen Natursinns, eines tief erfassenden Schauens. Es ist, wie wenir ein Blinder plötzlich zu sehen beginnt. Lichtglanz, Farbenfüllc stürzen auf ihn ein. Aber er wird nicht betäubt — sondern taucht immer rahiger in das Wunderglück. Ruhiger, gefasster, trotz alles innerlichen Rausches und Scligkeitsgefühls. Nirgends finden wir bei Asch Unruhe, Nervosität, Ueberladung, er wird immer schlichter, und echte Stimmungsmalerei ist es,, was er bietet. Man lese nur die Beschreibung des Lagbojrner, eines Frühlingsfesfes, in der reizenden Idylle „Der Rabbiner und der chassidische Wunderrabbi." Ohne auf den sonstigen Stimmungsgehalt und den rein menschlichen, ethischen Wert dieser Skizze einzugehen, möchte kh nur einiges aus der Einleitung zitieren: „Die gute Mutter Erde, die in ihrer Gnade das Städtchen trägt samt allem, was darin ist, hat sich durch Gottes Güte verjüngt und prangt vom Kopf bis zu den Füssen in den neuen Gewändern aus Laub und Gräsern. Grüne Knospen spriessen an allen Zweigen, unter allen Steinen und in allen Ritzen treibt das junge Grasr wiegt sich lieblich und fromm und saugt sein bisschen Nahrung aus'der Mutter Erde. .. . Alles ringsum, du Vater im Himmel, erfüllt seine Sendung, gehorcht und vollbringt sein Geheiss seit den Tagen der Schöpfung.. An Gott wendet sich Asch im Geniessen der Naturschönheit. Gott ist ihm ein gütiger Vater, der auf diese schöne Welt herabschaut und sich, an der Freude der Menschen freut. Warm wird einem beim Lesen dieser hymnenartigen und doch einfachen Gedichte in Prosa. Lange wirkt in uns das Bild jener Sommerabende nach, das der Dichter vor uns hingezaubert hat. Und wir seufzen froh und doch wehmütig mit ihm: „Liebe Sommerabende in der Schulgasse., wer euch besass, Wer euch verlor . . .1" Natur und Gott, so innig verschmolzen hat sie kaum je ein Dichter wie Schalom Asch. Weiche tiefe Religiosität atmet aus der Schilderung des Betens im Walde zur Dämmerstunde! So überzeugend und überwältigend .wirkt diese Stelle, dass sie allein genügen kann, die Hypothese-