Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-05-10 · Heft 15 (10.5.1919) · p. Seite 319

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 15 (10.5.1919)
Article
Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums
Date
1919-05-10
Page
Seite 319 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908745-2911817--2444-2911841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

357 Tigris gegeben? Das ist ja neuerdingsvon manener Seite her behauptet worden,. Aber die Sache scheint mir doch folgendermassen zu liegen. Gewiss haben sich zu Babylon und Ninive viele Sinne und Gedanken damit beschäftigt, aus der Beobachtung der am Lufthimmet sich zeigenden Phänomene ein Weltbild zu konstruieren und aus den regelmässigen oder uussergewöhnlichen Erscheinungen am gestirnten Firmament efen Witten' der Götter zu erforschen. Dabei hat man insbesondere das zeitweiligeauffallend enge Zusammentreten von Sternen und' die Verfinsterungen von Mond und Sonne notiert, wie z. Q. d\e für die biblische Chronologie so wichtig gewordene, für Ninive' totale Sonnenfinsternis vom 15. Juni 763, Man hat in Babylonien gewiss ziemlich früh auch einen Ausgleich zwischen Mondmonat und dem ungefähr richtig beobachteten Sonnen jähr durch eine primitive Schaltmethode (öftere Einschaltung eines dreizehnten Monats) herzustellen gewusst.13) "A'uch die zwölf Stationen des Tierkreises hat man unterschieden und diesen in zwölfmal dreissig Grade zerlegt. Aber schon betreffs dieser letzterwähnten Kenntnisse wissen wir nicht, ob sie über das siebente Jahrhundert hinaufreichen. Die Kenntnis von der Präzession des Frü'hlingsäquinoktium aber, sein Wandern aus dem Tierkreisbild der Zwillinge in das des Stieres und weiter westlich das des Widders, ist den babylonischen {Sternbeobachtern neuerdings ohne haltbare. Gründe zugesprochen worden. Dies hat namentlich der Astronom und Assyriolog F. H. Kugle ru) nachgewiesen, und seine Gründe sind durch den Heidelberger Assyriologcn C. Bezold15) noch verstärkt worden. Denn die Chaldäer setzten das Frühlingsäquinoktium sogar noch um die Mitte des zweiten Jahrhunderts v. Chr. um fünf Tage zu spät an usw., und „gewiss ist, dass vor der Mitte des achten Jahrhunderts von der Verwendung der Frühltetgs- Tag- und Nachtgleiche zur Bestimmung des Jahresanfangs noch keine Spur zu entdecken ist" (Bezold a. a. O., S. IQ). ■ So sind die Babylonier im zweiten Jahrtausend nach allem, was wir wissen, nur in der Astrologie gross gewesen. Sie haben ganze Serien von Tontafeln, also förmliche Bücher, mit solchen Sätzen, wie z. B. diesem, bedeckt: „Falls im Monat Ulülu (ungefähr unser September) eine Verfinsterung 'stattfand und im Norden hervorkam, im Südosten aufhörte, während der ersten Nachtwache begann, während der mittleren endsgle: so wird damit dem Könige von Akkad (d. h. Nordbaby Ion ien) eine Entscheidung gegeben." S(o "sind schon die älteren Babylonier die Begründer des zweifelhaften Rufes geworden, in welchem später die „Chafdäer" bei Cicero und anderen Schriftstellern des Altertums gestanden haben. Denn so interessant auch die Astrologie und jede quellenmässige geschichtliche Aufklärung über dieselbe Ist, so h!at sie doch keinen. Anspruch auf den Namen „Wissenschaft". Sie ist keine Erforschung und Anwendung von Gesetzen, die objektiv begründet waren. Ja auch als Praxis hat sie oft kulturhemmend gewirkt. Denn wie häufig wurde durch das Hinblicken «) Ed. Mahl er in der Deutschen Literaturzeirung (1911), Sp. 2632. F. H. Kugler, Im Bannkreis Babels (1910), S. 89-94. 15) C. Bezold, Astronomie, Himmelsschau und Astrallehre bei den Babyloniern (1911), S. 17; S. Landersdorf er, Die Kultur Babyloniens und Assyriens (1913), 167.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.