Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 15 (10.5.1919)
- Article
- Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 318 (sequence 5)
- Language
- German
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316 f&kaiion der Natur und spricht deshalb vom Jubel der Himmelskörper, der Wässerströme und der Waldbäume (Psalm 19,2; 96,11 f.; 98,8), aber er kennt Scebie Mytfoologisierung der 'Naturvorgänge. Er bevölkert nicht die Quellen atnit Nymphen «oder'die Berge mit Oreaden und verteilt nicht, wie z, B. die Babylönier, die Abteilungen des Weltalls an Ann, Bei und Ea, wie es in den »ersten Zeilen der Einleitung zum Gesetze H'ammurapis geschieht. Ein besonderer GSanz liegt über dieser Poesie aber endlich auch wegen der "Wärme der Religiosität, die in ihr zum Ausdruck kommt, und wegen der Sciiönheit der sittlichen Ideale, die in ihr empfohlen werden. Und wie dürfte in diesem Zusammenhange es unterlassen werden, auch der Redekunst zu gedenken, die im hebräischen Schrifttum entfaltet worden ist?. Nicht ohne guten Grund ist ja ein Jesaja der Dcmosthenes der Hebräer genannt worden.10) Seine bildlichen Bezeichnungen sind ja in der Tat von grossartig malerischer Pracht, wie man gewiss zugestehen wird, wenn man z. Bl an seine Verwendung von Finsternis und Licht als Metaphern für -Unheil und Triumph denkt. Ferner seine Antithesen sind schlagend (Jes. 3,24 usw.X und seine Tonmalerei ist glänzend, wie z. B. in „Ich wartete auf Gerechtigkeit, aber siehe da: Schlechtigkeit" (5,7)! Wo aber sind in der babylonisch-assyrischen Literatur die Seitenstücke zu den in Eleg-anz der Wortwahl und in Kraft der Gedankenausprägung hochstehenden, auch Wohldisponierten Reden der israelitischen Sprecher? Die Aussagen der Keilschriftiiteratur, welche die Zukunft aufhellen wollen, bestehen .überraschenderweise erstens sehr oft in blossen Anfragen, aber zweitens auch wo die Antworten folgen, sind sie meistens kurz und unbestimmt gehalten.11) Endlich ist aber auch die Kunst der hebräischen G es c h i cht s - Schreibung noch mit einem Worte zu erwähnen. Welche plastische und von lebendiger Empfindung* durchwogte Gemälde weiss vor allem der jahvistische Darsteller im Pentateuch zu entwerfen! Man denke nur z. B. an die Erzählung vom Zuge des Brautwerbers für Isaak nach Mesopotamien (Gen.? 24)! Doch ist die Höhle der hebräischen Geschichtsschreibung —. gegenüber den annalistischen Aufzeichnungen der Assyrer und den märchenhaften Erzählungen der Aegypter — vor kurzem ja auch von einem andern und in seltenem Grade kompetenten Beurteiler mit wahrhafter Begeisterung anerkannt worden;.12) W)ie sollte es da noch weiterer Beweise bedürfen? 3. Aber wird Israels kulturgeschichtliche Höhenmarke nicht um so .mehr herabsinken, wenn wir nach seinen Leistungen in bezug auf den BetrieS) der Wissenschaft fragen? Indes mancher „Wissenschaft" gegenüber ist auch die ablehnende Haltung ein rühmenswertes Verfahren, Oder hat es eine „Wissenschaft der Astronomie" schon zu der Zeit, wo das Volk der Hebräer zu weltgeschichtlichem Leben emporwuchs, also . in den nächsten Jahrhunderten nach Moses Zeit, drüben am Euphrat und/ , 10) Von Hieronymus in einer Vorrede zu seiner Jesajaerklärung. X1) Wie man 'aus der reichen Sammlung bei M. jastrow, Die Religion Babyloniens und "Assyriens II (1906 ff.), S. 573 usw., ersehen kann. Ein Abschnitt „Prophetische Texte" f e h 11 deshalb ganz in Grossmann, Atöoncnialische Texte (1Q09)! 1B) Ed. Meyers Geschichte des Altertums I, 1 (1913), § 131.