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Neue jüdische Monatshefte · 1919-05-10 · Heft 15 (10.5.1919) · p. Seite 317

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 15 (10.5.1919)
Article
Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums
Date
1919-05-10
Page
Seite 317 (sequence 4)
Language
German
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315 wenn darauf hingewiesen »wind, .dass die Babylonier ganz gewaltige Mauern ans Tonzicgeln aufgeführt und auch »schon den Gewölbebau gekannt haben.7).' Auf jeden Fall sind staunenswerte Leistungen im Mauerbau und in der Herstellung vton TunraeBn auch bei den Hebräern zu erwähnen., Denrc wie grossartig ist die Verwendung von fugenränderigen Quadern, wie sie noch nach Jahrtausenden am Unterbau des Tempels in'Jerusalem das Auge des Beobachters fesseln! Wie bemerkenswert ist auch die Durchtimnelung desi Tempelberges, durch die der bekannte Silo ah-Kanal' wahrscheinlich etwas .vor dem JahVe 700 hergestellt wurde! Es war doch eine ganr respektable Leistung, einen Berg hundert Ellen unter seiner Oberfläche in. einer Strecke von zwölfhundert Ellen so zu durchgrajhen, dass die von beiden. Seiten her vordringenden Arbeiter doch schliesslich zusammentrafen. Die Genugtuung der Männer, die dieses Werk geplant und hinausgeführt hatten.. Storni mit Recht darin zum Ausdruck, dass sie an der Stelle, wo „Hacke auf Hacke traf, in der Wjand die Inschrift einmeisseln Hessen, die unter den* Namen „SiBoah-Ins'chrift" seit 18S0 bekannt geworden ist. Im Gebiete der Dichtkunst zeigt sich gewiss eine formelle Aehiv Kchkeit zwischen) der hebräischen und anderen Literaturen. Denn der sogenannte Paral-el^mus memfororam, »eine Aneinanderreihung von Sätzen^ die der Darstellung'teils-' die Harmonie zusammenklingender Töne und teife den malerischen Effekt von kontrastierenden Farben verleiht, begegnet auch in babylonischen, wie 'allerdings auch in ägyptischen und andern Dichtungen.8) Auch Anzeichen des akzentuierenden Rhythmus der atthebräischerc Poesie hiat man in Keilschrifttexten gefunden, indes erstens sind dies nur ganz allgemeine Zusammenstimmungen zwischen den beiden verglichenen Gebieten von poetischer Literatur, und die hebräische Poesie ragt auch schon in formafer Hinsicht über die babylonisch-assyrische hinaus, insofern in dieser bis jetzt keim Dramia gefunden worden ist, wählend die .Hebräer in ihrem „Hohenlied" wenigstens nach meiner Ueberzeugung eine Art von Singspiel oder Operette besitzen.9) Zweitens nimmt aber die altisraelitische Dichtung innerhalb aller poetischen Literaturen des Altertums in in fr a HI i eher'Beziehung eine überragende Stellung ein. Dcniü diese Poesie wird vor affem vjon dem GLau'o^n an die Existenz eme& lebendigen und souverän dem Weltall gegenüberstehenden Gottesgeistes, durchströmt; Dadurch ragt diese Dichtung nicht nur über die Epen und Hymnen der (Babylonier mit ihrem bunt-vielgötterischen Hintergrund, sondern, auch $ber die Dichtungen Hernie rs und Hesiods empor, wie auch Alexander v. Humboldt m seinem Kosmos II (1847), S. 45f. die Psalmen als einen „Reflex des Monotheisfaus rühmt, der das Ganze des Weltalls in seiner Einheit, sowohl das Erdenleben als auch die leuchtendem 'Himmels räume auf sich wirken lässt." Allerdings übt der hebräische Dichter sodann in der Lebendigkeit seiner Auffassungsweise auch Persona- . 7) Frd. Delitzsch in seinem Schriftchen „Mehr Licht" <1<X>7), S. 3L 8) Diese Erscheinung Wird richtiger „ideelle Eurhythmie" genannt und ist mit Erörterung aller neuesten Fragen in meiner iftlibTäischen Rhythmiii" (1914), S. 11—15, behandelt. Ueber die wechselnden Szenen vgl. meine Einleitung ins Alte Testament, S. 422 f. ' .

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