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Neue jüdische Monatshefte · 1919-05-10 · Heft 15 (10.5.1919) · p. Seite 311

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 15 (10.5.1919)
Article
Probleme des modernen Judentums
Date
1919-05-10
Page
Seite 311 (sequence 4)
Language
German
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309 alle Abweicbungsgrade vom echten Judesein abgeben wird. 2) Werde Palästina' nur einen Abnehmer und keinen Lieferanten darstellen. Es wird von der Diaspora alles hernehmen, was es an Bausteinen zur Errichtung seiner künftigen Kultur braucht, ohne dafür der Diaspora etwas von sich abzugeben. Es wird zu einem Sammelbecken werden, in das alle Kanäle der Diaspora einmünden und in welchem sich alle geistigen Energien der Diaspora ansammeln. In der ersten Zeit freilich wird Palästina von sich Leben auch für die Diaspora ausstrahlen. Aber nur für die erste Zeit Mit der Konsolidierung des palästinensischen Judentums wird der Austausch aufhören. „Das Oaluth wird das Baumaterial liefern, das Palästina formen wird. Palastina wird dem Galuth die besten Kräfte und Säfte entziehen; nicht, wie Achad-Haam meint, ihm abgeben, abgebend es befruchten und stärken. Im Gegenteil: das Exil wird gleichsam die Funktion des Düngers für unseren historischen Boden verrichten." Das wären die wesentlichsten Punkte, um die sich das von, uns behandelte Buch dreht. Weiter unten wird auf diese Punkte des Näheren eingegangen werden. Vorläufig möchten wir die Aufmerksamkeit des Lesers auf manche schönen und starken Stellen im Buche hinlenken, die zwar in keinem direkten Zusammenhang mit den Hauptthemen des Werkes stehen und an sich nicht ganz unanfechtbar sind, die aber wegen der Echtheit der Gesinnung und der eindringlichen, fast leidenschaftlichen Schärfe, mit der sie ausgesprochen werden, ernstliche Beachtung verdienen. Es sind dies die Stellen, in welchen der Verfasser alle die Halbheiten und Inkonsequenzen im Leben jener Diasporajuden aufdeckt und brandmarkt, die nicht den Mut und die Kraft haben, sich zu einem jüdisch-nationalen Fühlen und Denken durchzuringen und die vermeinen, man könne zugleich sich zu mehreren) Nationalitäten und Vaterländern bekennen;. Eine andere Stelle wiederum handelt vom Christentum, und hier findet der Verfasser flammende Worte für eine wirkungsvolle Anklage, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Gehen wir jedoch zu den Hauptpunkten über, um sie der Reihe nach auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen. Wir stimmen vollständig mit dem Verfasser überein, dass der aus seiner nationalen Schale herausgelöste, „Geist" des Judentums in der Gestalt des Monotheismus, der ethischen Forderungen, der messianisdien Idee usw. alle Anlagen dazu hat, Gemeingut der ganzen Menschheit zu werden, und dass sämtliche Nationen der Erde sich vorbehaltlos zu ihm bekennen können, ohne dabei an ihren nationalen Eigentümlichkeiten Schaden zu nehmen. Dies besagt aber keineswegs, dass diesem „Geist" jede völkische Nüance vollständig fehlt, dass er keine Spur nationaler Eigenart in seinem Inneren mehr trägt, dass er durch den Akt der Loslösung vom mütterlichen Boden jeder nachweisbaren Beziehung zu seiner ursprünglichen Stätte verlustig ging, wie es der Verfasser haben möchte. Die Ideen des Judentums, selbst in ihrer abraktesten und verdünntester Form, sind sämtlich von Zügen durchdrungen, die scharf genug sind, um an ihnen den völkischen .Ursprung erkennen zu können. Der Verfasser vergisst in seinem Eifer eincra Umstand von wesentlicher und nicht hoch genug anzuschlagender Bedeutung — dass die jüdische Nation zu jenen wenigen Völkern der Weltgeschichte gehört, die, wie die alten Hellenen- und die alten Inder, aus

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