Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 14 (25.4.1919)
- Article
- Romantiker des Geistes
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 295 (sequence 6)
- Language
- German
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?M Regierung verdient." H UI e r breitet in einem stets1 fesselnden, oft aufreizenden und widerspruchsbedürftigen Artikel die Idee des „Zielbundes'« aus: Ein Bund der geistigen Führer zu sein, die sich selbst zusammenfinden, bekennen: „wir sind "es!" und durch ständiges ,Eingreifen, unaufhörliche Stellungnahme zu allen Fragen des staatlichen, gesellschaftlichen Lebens sich Achtung ertrotzen, bis ihre Körperschaft schliesslich als „geistiges Herrenhaus" legitim wird. Das demokratisch,. nach gleichem Proporzwahlrecht, gewählte Volkshaus ist diesem „Herren"hause Abbild des Volkes, Indikator seiner Stimmungen und Bedürfnisse. Der Gedankengang ist so folgerichtig wie der aller Pläne zur Führerausbildungi und -aussichtung und ebenso unmöglich. Aller Demokratie-Ersatz versagt. Der Raum verbietet, hier zu untersuchen, wie weit Hillens Sjeziermesser der Wirklichkeit folgend, richtig präparierte, und wieweit wir ihm grundsätzlich entgegentreten müssen, mehr in der Motivierung als in der Handlung. Die Mängel aller Demokratie liegen am Tage, und der Wunsch der Schichtung nach dem „Grad" ist allen Denkenden gemeinsam. Aber es gibt keine Möglichkeit, keine allseitige Sikala dafür. Der „Führer", der wirkliche, geht keine glatte Bahn. Das ist eben die „Tragödie" des Führers, ohne die es ja gar keiner „Führer" bedürfte. Woher also die „Berufung" derer, „die es sind"? D£s Usurpators „innerer" Beweis sagt anderen gar nichts. Die „Sicherungen" für die Auslese, Ablösung, Ergänzung der Führerkreise sind ebenso wertlos wie alle „Sicherungen", die immer zu Hemmungen, Belastungen oder Intrigueninstrumenten werden, bei Inkrustierungen und neuen Verschanzungen der „Erben" endigen. Mag sich durchsetzen, wer was taugt (geistig!). Die „sicherungs"loseste Demokratie ist für ihn auch die hindernisloseste. — Und „wer verwirklichen will, vermeide es, Mittel zu empfehlen), die erst der verwirklichten Lage gemäss» sind" — sollte das nicht für die offizielle Anerkennung dieses sich selbst einsetzenden Oberhauses gelten? — Soviel bleibt immerhin übrig, dassi ein freier Bund der Geistigen, bisf ihn die Expansion nach verschiedenen Richtungen zerplatzen lässt, als Protestler, Anreger, Antreiber viei leisten kann. Erziehung soll zum Geistesstaat führen. V e r vv e y e n wünscht Selbstverständliches: Universitätsunterricht in Rede und Gegenrede im Kreise einer geistigen Arbeitsgemeinschaft, Hesse tiefer die rednerische Erziehung als menschliches Problem, als ErziehiUng zur teleologischen Persönlichkeit, zum 'sozialen, zum politischen Menschen. Wyneken ist am Werk, eine „Jugendburg" zu schaffen, als Zentralorgan der Jugendbewegung, als geistigen Sammelplatz zur Vertiefung und Vereinheitlichung, als Akademie im platonischen Sinne, zugleich als .Erzieherseminar im Sinne des Kulturideals der Freien Schulgemeinde. „Irgendwo auf dem Lande eb altes Schloss" soll den Berufenen dazu verhelfen, „mit der Zeit in Verbindung zu bleiben und von ihr Abstand zu gewinnen", denn „die junge Generation .wird die Wiedergeburt unseres" Volkes, ja der europäischen Menschheit, durchzuführen haben: Die Generation des grossen Ueberganges. — Sie darf nicht mehr auf die Einstellung verzichten, dte allein ihr Werk vor dem Gewissen rechtfertigen kann als Samenkorn des ewigen Lebens." — Kesser stellt dem Journalismus die Aufgabe, „die Energien eines Voftea,