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Neue jüdische Monatshefte · 1919-04-25 · Heft 14 (25.4.1919) · p. Seite 296

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 14 (25.4.1919)
Article
Romantiker des Geistes
Date
1919-04-25
Page
Seite 296 (sequence 7)
Language
German
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294 das sich vollenden wiH, aufzusammeln und mit polemischer Würde zu politischen; Zwecken <m ordnen." — Weber ruft nach dem politischen Dichter, der mit (hellen Sinnen und unverrückbarer Bereitschaft am1 göttlichen Werke dient 'zur Aufrichtung der Menschheit und ihrer Erlösung: „Er wird »ihr Führer sein. Er wird1 verkünden. Die Flamme seines! Wortes wird Musik. Er wird den grossen Eund der Staaten gründen. Das Redht des Menschentums. Die Republik." (Hasenclever). Dies neue 'Aktivistenbuch kann niemand schnell herunterlesen. Die Freude an der Antithese, der Formel, dem Paradox ist nicht zu verkennen. Die Sprache ist feierlich, doch manchjmal auch geschraubt, getragen, doch auch auf Stelzen einherklafternd. So transponiert Friedländer in prätentiöser Umschalung den Begriff „Individuum": „Die Selbstvergev/isserung des Individuums ist zumal der Beginn aller echten Politik, das Prinzip 2ur Schöpfung des Staats, des zusammenhängenden Vielerleis aus politischen Tieren. Der S/taat wäre nur das objektivierte Individuum". Aber der Ertrag des Ringens mit dem Buch ist nicht gering. Wer einen willenskräftigen Einschlag der neuen Zeit kennen lernen will, hat es nötig. Freilich lächelt jeder Tneerzermürbte Odysseus, der mit vollen Segeln einst ebenso sicher auf die politischen Gewisser hinausfuhr, melancholisch, wenn er liest: „Wir müssen — spätestens um 1930 —• im Vaterlande und auf dem Erdball, unserer erhabeneren Heimat, ernsthaft die Macht besitzen, einen Krieg zu verhindern" (Hiller) und bei Rubiner: „Wir alle werden noch zu unsern «Lebzeiten das Ungeheuerste sehen. Die höchste Not der Menschheit wird ihre Gegenwage haben in der höchsten Verwirklichung von Paradiesesträumen." Widerlegt solche Zuversicht aber nicht den Vorwurf der Ungläubigkeit? 'Und haben wir nicht solchen Elan bitter nötig? Die antiaktivistis'che These kommt im Buche selber, an priesterlichstem Gewände, zp Worte WerfeF trennt die Sphären so: „Im Mittelpunkte der Sendung des Aktivismus steht die Tat, sein Stoff sind die Verhältnisse des «Menschen; im Mittelpunkte der Sendung des Christentums steht die 'Lehre, sein'Stoff ist <a>s Bewusstsein des Menschen." Und richtig, aber hier die Luft peitschend1, stellt er fest: „Wer von der Mystik der Dinge aus "gesinnungstüchtiger Vernünftigkeit absieht, der ist der verlegenste (Mystiker." Worauf K u r e ff a und Hiller antworten: „Auch uns ist der Mensch Letztes? und Höchstes" und: »„Der Rationalismus postuliert. Unaufhörlich •w(erden Verstand und Vernunft verwechselt. Wir sind nicht Intellekt.ualisiten, wir sind Rationalisten, ..also d|aJfSl Gegenteil. Von aussen kann man nicht ändern. Man muss erst «das Innere verwandeln, man muss den Weg über die Seele nehmen. Doch «da uns das Aussen verbieten will, diesen Weg zu gehen, musä man pmädist das Aussen ändern. Ein Circulus vitiosus: Der Geist sprengt ihn." \Frank Thiosisi fordert in gleichem Sinn: „Wir müssen wieder Jünger feiner Religion werden, Geweihte im Geist., Nur die höchste Bcwussfhett und (kühlste Klarsicht in die Dinge ist der Weg zu bleibendem Werke." Ißtnm Ecommt in seinem geistreichen Essai über die Aufgabe der Juden in Europa zu dem Resultat: „Nur eine Menschenart, welche

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