Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 14 (25.4.1919)
- Article
- Romantiker des Geistes
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 294 (sequence 5)
- Language
- German
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292 Saraus, statt tum die Klangfarbe der Instrumente zu zanken! Freilich, die Menschheit sieht immer nodh zuerst die Form, die Geste, Phrase und Pose und sie prügelt sich, —< weil »Einiige am' Weltspeisetische bessere Platze verlangen, wöbet allen die Mahlzeit versalzen wird. Die „Tiefsinnigen" komponieren zu dieser tragischen Groteske die Theorienmusik und spotten des „Fortschritts". Kaum sanjk der blutige Nebel der religiösen Waffenkämpfe, des Tötens um der „rechten Liebe" willen, von Hodhr's Augen, so trübt ihm schon ein neuer Wahn, des Natibnalstolzes und der Rassenherrschaft, den Blick. Die reine Vernunft ist, scheint es, der Menschheit noch unbekörnmläch wie destilliertes! Wasser dem ^animalischen Magen. Kann, darf man es einer Jugendtruppe verübeln, wenn sie sich in solcher Zeit 'der Umwälzungen nicht in wackelnde Parteigerüste einfügt, dass sie. sich eigene Wege der Einwirkung zu bahnen sucht. „Worte, nichts als Worte!" ist ein Vorwurf, der hier nicht trifft. Von manchen Mitarbeit *; des „Tätigen Geist es" kann mian vielleicht tatsächlich Weltfremdheit und Abseitigkeit von der Technik der Institutionen, der Volkswirtschaft, der Industrie usw. vermuten, aber nicht ihr Bemühen bestreiten, in die Probleme, wenn auch erst in schmaler Front, einzudringen, sie zu „durchgeistigen"; Sie quälen Mdx um clen Staat. Sie reissen ihm die mystischen Gewänder vom Leibe. Sie entblössen ihn .vielleicht zu weit. Aber nachsehen musste man einmal wieder, \vjas der Inhalt der Geschwollenheit sei. Unbesorgt, diese Zwiebel^ hat schon einen stets neutreibenden Kern! Mattheus srchaut «den Rest dermassen: „Der Staat ist keineswegs eine sittlich höhere Form des Einzelnen, sondern geschaffen vom Einzelnen und für ihn, allein ein modus vivendi, ein Lebensmüttel. — Ehemals Geschöpf des Menschen, hat er sich zu seinem Herrn gemacht, zum herrschenden S,taai. Der Einzelne ist Untertan geworden. — Der dienende Staat sei Mittel ünd Werkzeug, Darstellung des Willens seiner Mitglieder, Versicherung auf gegenseitige Hilfe. — Das Zeichen dieses neuen Beginns sei die Gründung der Partei der Geistigen." Ebenso Hitler: „Der Staat ist eine m.^taphysikfeme Erfindung: ganz unheilig. Er"ist kalt wie eine Versicherungsgesellschaft und praktisch wie ein Konsumverein, daseinsberechtigt allein als Glücksmittel für alle." (Man halte daneben die Sätze Hölderlins im Hyperion: „Beim Himmel,, der weiss nichtf was er sündigt, der den Staat zur Sittenschule machen will. — Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, dass ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte." Die Verschiedenheit der Begriffsinhalte leucfhtet ein!). So wäre er also neu zu bauen, materiell, architektonisch, kulturell. — Mit einer Reform des alltäglichen WenldebensJ befasst sich nur e i n Aufsatz, von Bauermejster ,: (Mit .der Dezentralisation der Grossstadt, mit der Trennung von Wohn- und Arbeitsstadt. „Die Welt der Arbeit ist nicht die Welt des Geistes. Der Geist will an die Stelle der Arbeit das Paradies setzen.?' Di|e Grossstädte sind unentbehrlich: „Ihr Kleinstädter werdet, 'weil ihr nicM könnt, die Welt nicht ändern und die Weit bedarf der Aenderung. Der tätige Geist kann sich nur da entfalten, wo sich Seele an Seele reibt." — Von Aufbau und Vertretung des Volkes ist mehr die Rede. Leonhard pointiert: „Jedes Volk hat des Parlament, das die