Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 14 (25.4.1919)
- Article
- Romantiker des Geistes
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 293 (sequence 4)
- Language
- German
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291 mantik lös! immer 'die andere ab. So mussten die Romantiker des Geistes, des Willens, des Rationalismus denen des Nationaf- und .Rassenmystizismus folgen. Und es war an der Zeit l Ob d i e s e Rufer die rechten sincf, wird sich erweisen. Wer \ weiss es? Aber jeder Mut, der sich gegen den Selbstmord des Zeitfatalismus -aufbäumt,, sei begrüsst! Dass H. von Oerlach und Helene Stöcker (Seeck: „Der Untergang der antiken Welt war der kriegerischen Ausrottung der Besten zu Banken." Jordan: „Das kriegerische Volk der Gegenwart ist das dekadente Volk der Zukunft.") auch hier für die Liga der Nationen und gegen die Militarisierung der Jugend auftreten, verschafft ihnen Bürgerrechte in diesem Jugendkreis. Natonek nennt eine grosszügige völkerverbindende Kulturpolitik die wahre Realpolitik* Er will die bisherige „impressionistische" Qelegenheitspolitik durch eine „expressionistische" Politik ersetzen;: An »den verantwortlichen Stellen muss in Zukunft der geistige Typus stehen; er soll die Schicksale der Völker aus unendlich grösseren, in der menschlichen Seele ruhenden Ideen gestalten. H i ü e r prägt tapfer: „Süss und ehrenvoll ist es, für die Idee zu sterben, bitter und schmählich fjür den Besitz zu sterben. — Zum Heroismus gehört Selbstherrlichkeit; erzwungenes Heldentum ist ein Widersinn. Das Leben bleibt die Voraussetzung alier Güter, auch der höchsten. — Der barmherzige Samariter, der barmherzigere Pazifist." Dieser Pazifismus der Aktivisten ist nicht uferlos. Er leugnet auch nicht die Tragik des Lebens: „Der echte Rationalismus vertragt nicht nur eine Synthese mit dem wahren Irrationalismus, er Verlangt geradezu nach ihr." (Brod.) Ist das Leben nicht auch ohne Krieg voller Tragik? Und bedeutet Streben nach „Glückseligkeit", nach materiellen und rechtlichen Auskömmlichkeiten eine Verfluchung? Nicht vielmehr ihr Vorhandensein eine Vorbedingung niemals kampfloser Vergeistigung, wenigstens für die nicht ganz Grossen? — Die, welche die Naturentfremdetheit der Aktivisten bemängeln, ihnen vorwerfen, dass sie konstruieren, statt organisch zu entwickeln, übersehen, dass „Natur", „organisch", ^Entwicklung" projizierte Geistesabbilder slrid:, dass drum die „organische Entwicklung" auch allen Reaktionären beider preussischen Kammern als Wappenspruch dienen konnte. Wer entwickeln wilf, muss ein „Woher" und „Wohin" haben, das eine ablesen, das andere vv o i I e n. Denn von jedem erreichten Entwicklungspunkte aus1 gibt es der Möglichkeiten der Fortsetzung viele und „unnatürlich" ist keine, innere Reibungen erwachsen auf allen. Nicht weitblickende Zielsetzung, nur sprunghafte Betätigung ist vom Uebel. "Darum schreibt Natonek mit Recht: „Der Menschengeist hat noch die Entwicklung vorn Wahnglauben an die Notwendigkeit und Uxivermeidiichkeit des Krieges bis zur selbstverständlichen Ueberzeugung von seiner Unmöglichkeit zu durchmessen, um zum ewigen Frieden zu gelangen." Doch kann deswegen die überstaatliche Gesetzesschaffung nicht aufgeschoben werden, so wenig mit der innerstaatlichen Befriedung gewartet wurde, bis jeder Einzelmensch vollkommen war. Entwickelnde Entwicklung! — Jene, die alles Geschehen poetisieren, „vertiefen", rechtfertigen und deshalb der aktivistischen Urteilsganzheit grollen, sollten nicht vergessen, dass ihnen mancherlei Pläne der Erdgestartung gemeinsam sind. Horcht die Grundtöne aus den Klängen