Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 14 (25.4.1919)
- Article
- Romantiker des Geistes
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 292 (sequence 3)
- Language
- German
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200 die Berta Lask, indem sie in wundervollen Gesichten, in Sätzen, die wie Orgelklänge einherbrausen, uns! das seelische Wandern des Weibes durch erhobene und; höllische Sphären bis zur Reife, Befreiung und Selbstemsetzung, ihr Wachsen von traumhafter zu aktiver Geistigkeit erschauernd miterleben lasst, anbefiehlt: „Halben eure Hände das fremde Tun entgleiten lassen und die eigene Tat gepackt?" — „Hilf uns den Tempel suchen, der erbaut ist am Rande der Erde und die wahren Gesetze birgt" „Nur für Utopien lohnt sichs zu kämpfen." (Hi/ler.) „Der ^Mensch ist der Wcltändernde. Er ist Utopiker oder auch nur ein Tier. Jeder Fortschritt in der Menschheitsgeschichte war, bis er ertrotzt wurde, als Utopie vcriäurndet." Das gibt die Linie des Buches, Wer aufs Ganze geht, leistet im End- und Oesam teffekt mehr als der geschäftige Müssigganger der politischen Eintagszuckungen: „Den Ideologen scheidet vom Realpolitiker, dass er realer als der Realpolitiker denkt. Er bedenkt die Realität von Dezennien oder der Ewigkeit" (Rudolf Leonhard.) Schaut man vom ersten auf den zweiten „Ziel"band, so ist der Fortschritt zur .Einheitlichkeit in Personen und Meinungen unverkennbar. Nur: Schwingungen verschiedener 'Phase interferieren und ein konvergentes Strahlenbündel wird .wieder divergent; es war so, wird und soll so sein. Wenn nur des Strahlenzentrums als Ziels und Ursprungs weiter gedacht wird! Mancher Strahl wird auch .hier gebrochen werden, seine Richtung verlieren, verändern, oder er gelangte nur durch irreführende Strahlenbeugung an diesen Sammelplatz. Wer Differenzen sucht, der findet sie also. Blüh er .will keinen Zweckverband, sondern einen Männerbund der Führenden, einen Orden; Leonhard konstatiert: Der Orden ist heute nur ein Spiel; aber die Partei, durchdrungen vom Geiste der Gemeinschaft kann genügen! Kayser will die Gemeinschaft; Frank Thiess proklamiert: Zusammenschluß, aber nicht Vereinigung! Und wenn man will, kann man einen Gegensatz zwischen Hilfers: „Personen, die sich haben währen lassen, von Hinz und Kunz, sind angeblich Repräsentanten des Volkes!" und Leonhards! Aufruf: „Lasst euch wählen, meine Freunde, die 'ihr berufen seid!" erfühlen. D;e Stellung der Trau, die Alternative: Rang oder Richtung?, die Auffassung der Demokratie, diese und andere Keile wird die Wirklichkeit des Kampfes in den Aktivismuskörper treiben, sobald der Druck der Kriegszeit nicht mehr die wirkliche Aktivität, die wahrhafte Durohgeistigung des Lebens in allen Einzelheiten hindert. Dann wird sich zeigen, ob „was uns zerspaltet, ist die Wirklichkeit, doch was uns etaigt, das sind Worte." Vorläufig illustrieren diese Schattierungen nur das alte Wissen, dass der Geist, den die Aktivisten „in den Stand der Macht einsetzen wollen," im Persönlichen lebt und reagiert und dass also „Hertsdhaft des Geistes" nur heissen kann: Enttierung Aller, Durchsetzung und Durchbildluug der wertvollen Persönlichkeiten, ermöglicht durch Aenderung der Einrichtungen. Zunächst hat die Not der Zeit alles Interesse auf die Probleme 'des Pazifismus, "der Staatsordnung,* der Volksvertretung, der Voütsbiidjung gelenkt. Und man kann nicht teugnen* Fragestellungen und Antwortsmanifeste sind oft eindeutig und messerscharf: Eine Reaktion auf die schuldvollen Uebertreibungen der Romantiker des materialistischen, illusionären oder ideologischen Imperialismus! Eine Ro-