Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 14 (25.4.1919)
- Article
- Romantiker des Geistes
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 291 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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■ ___;_ 289 _ witzig - zudringlich altkluger: , „Die echten Rationalisten wollen das Erkennbare erkennen, das Organisierbare organisieren, das Verbesserliche verbessern, vor dem Undurchdringlichen aber, dem Unendlichen, Unzugänglichen machen sie halt — Der rationalistische Aktivismus erstrebt die möglichst vollständige Einstellung möglichst vieler Menschen auf das Unendliche, Göttlich-Geistige, i— Solange also der Aktivismus mit rationellen Dingen zu tun hat, greift er zu rationellen Mitteln. — Das Ziel und das immer gegenwärtige 'Milieu dieser Vernünftigkeit aber ist ein Ueber« vernünftiges." So grenzt Max Brod den Rationalismus ab, zu dem sich die Freunde Kurt H i 11 e r s bekennen. Jene flache, seichte „Aufklärung", die alles radikal „aufklären" will, wird verworfen, aber die andere, die im' Operationsgebiet jder Vernunft verbleibt, muss innerhalb dieser Umhegungen bis aufs Blut diejenigen bekämpfen, die „unter dem Verwand!, die ganze Welt sei durchaus unverbesserlich, auch das Wenige, das Gott unserer armen .Menschenvernunft zur Durcharbeitung überlassen, mehr als das: zur, Durcharbeitung anvertraut hat, nicht verstehen und nicht verbessern wollen." Ins Gesellschaftsphilosophische übersetzt das, in Anlehnung an Othmar Spann, Rudolf Kayser, eindringend, eindringlich und beredt. Im Gegensatz zum Panlogis'mus des alten Rationalismus ist der neue — Geist, Wille auf eine neue Welt, Vorsatz, eine bessere Wirklichkeit mit Hilfe der Grundsätze der sittlichen Vernunft zu treffen. (Nietzsche: „Die Umformung der Welt, um es in ihr aushalten zu können, ist das Treibende.") Als Todfeind gilt ihm deshalb jene Mystik, die nur ein Deckmantel für den Verzicht auf die Aufgaben unserer Diesseitigkeit ist. Nicht Epikuräer, nicht Teleologen der Erklärung, aber Teleoiogen des Wollens, zeigen die Aktivisten die Aufklärung als ihre politische Waffe auf; Der Geistige höre auf, Luxusantikef zu sein, er Wierde Lehrer, Prediger, Wanderredner, Demagog, Journalist! Der moderne Staat ist nur Genossenschaft (Verbindung durch Ziele und Zwecke). An Gemeinschaften, rein seelischen Verbundenheiten durch Kräfte, Empfindungen und Gedanken, sind wir überreich. Aber Gesellschaften, Vereinigungen im Denken und Handeln, „die über sich hinaus zu Menschlheitszwecken streben", sind im heutigen Europa mehr denn je nur eine Forderung. Es gilt die neue Gesellschaft zu schaffen: „Ihre Voraussetzung ist die Gemeinschaft, ihr Entschluss der neue Rationalismus, ihr Zweck der Geist, zu verwirklichen im Staat." Der Weg führt von der Gemeinschaft zur Genossenschaft, von der Genossenschaft zur Gesellschaft. Gemeinschaftliches Wirken allein führt voran: „Wir trauen nicht mehr dem Empörertum der Einzelnen. Gilt unser Tun der Menschheit, so müssen wir als Brüder beginnen!" Die meisten Aufsätze des voluminösen neuen Zielbandes harmonieren in der Schwingungsrichtung, die C. M. Webers poetisches Pathos so weist: der Erhöhte „Schicksal heisst ihm nur Eins: tu deine Kraft in ihr Mass! „Heiliger Sendung bevvusst: Walter der Menschheit zu sein! „Leidende Brüder, in Dumpfheit verknotete, lichtwärts zu reissen, „Liebe wandeln zur Tat: höchstes und schönstes Gebot!",