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Neue jüdische Monatshefte · 1919-04-25 · Heft 14 (25.4.1919) · p. Seite 290

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 14 (25.4.1919)
Article
Romantiker des Geistes
Date
1919-04-25
Page
Seite 290 (sequence 1)
Language
German
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288 Romantiker des Geistes*) Von Prof. Paul O est reich, Berlin-Friedenau er Krieg, der als der Paraklet ausgerufen wurde, hatte den Ungeist zur Höhe geführt. Die Mechanisierung leistete Vollendetes, soweit <^SES^ sie vollendet wurde. Die Kriegsmaschine, gehätschelt, poliert, geschärft und gefüttert von der techno-monomanischeri Abart des Geistes, frass der Völker Gesundheit, Gtfter, Glück und Glauben und überschüttete die Vergangenheit mit ihrer Asche, zerräderte die Gegenwart und bliess ihre Qualmwolken beschmutzend voraus in die Zukunft. Millenniumssttmmung "breitete sich aus. Die einen harrten verzückt, die andern predigten moralfrei den materialistischesten Genuss: Denn morgen sind wir tot! In dieser Geistesverlassenheit der Zeit über ihre Not, ihre zurückschraubende IVertiertheit, > ihre atavistischen Philosoph eine hinaus zu schauen, nicht die Gewalt, sondern den Geist als Herrn zu setzen, nicht den Imperialismus, sondern die Humanität als Ziel zu errichten, nicht dem Hypernationalismus, {sondern dem Völkerbund zu huldigen, nicht den Militarismus, sondern den Pazifismus als Erziehungsweg und Verwirklichungswerkzeug zu wählen, das erforderte Mut und war.eine Tat, der wir Dank schuldig sind. Darum weisen wir hier auf das zweite Jahrbuch der Aktivisten**) hin. Die Aktivisten bringen nichts! Neues. Nur ist-der uralte Kellerwein, den sie in neuen Bechern kredenzen, mit den Jahrhunderten kräftiger in Farbe und Gehalt geworden, dass er nun braust wie die Jugend dieser Ganymede. Sie murmeln auch keine Zaubersprüche mehr zum Trunk in halbdunkler Kemenate, sie wollen Vorhänge und Fenster weit aufreissen, damit Kannen und Köpfe, Römer und Riesling Farbe, Form und Funkeln unverfälscht bekennen müssen. Alles der Vernunft, dem Geist Erfassbare soll ergründet, beurteilt, gebessert werden. Dem Aesthetizismus und Quietismus, allem Geniessertum mit dem Wahlspruch „l'art pour l'art" wird Fehde angesagt und die resignierenden oder gar heuchlerischen Prediger der Liebe, die salbungsvoll Christentum und Krieg in ihren Backentaschen zu&amniejn: breien, werden verworfen. Liebe ist Kampf! Einsicht und Wille sollen sich paaren, die Welt zum Paradiese umzuwandeln. Leidenschaftliches Ringen mit den Geistern eingewurzelten Unrechts verlangt die Epoche. Toleranz von Seiten der Schwachen ist Schwäche. Tendenz bewaffne alle Kunst und Kultur! So rüttelt der Äktivlstengeist an allen vergoldeten Gittern. Ein Glück, dass es wieder Menschen gibt, die die entnervende Zeitkrankheit des Determinismus abschüttelten. Iis ist «ein neuer Rationalismus, aber ein geläuterter, nicht mehr vor- *) Der nachfolgende Aufsatz konnte längere Zeit aus Raummangel nicht veröffentlicht werden. Wir bringen ihn jetzt, trotzdem er einige Monate vor der Revolution geschrieben wurde, weil uns die Bedeutung des Aktivismus, dessen Verkünder soviel Juden unter sich zählen, recht gross und seine Einwirkung auf die augenblicklichen politischen Verhältnisse nicht unerheblich erscheint. D. Red. ivav T* j; ± I _ _ _ /~i - . i % i r —* .. __. _ _ _ . - .

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