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Neue jüdische Monatshefte · 1919-04-10 · Heft 13 (10.4.1919) · p. Seite 274

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 13 (10.4.1919)
Article
Meine Replik
Date
1919-04-10
Page
Seite 274 (sequence 3)
Language
German
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272' geben müssen, sondern wir . wollen den Weg ausbauen und für die Zukunft gangbar gestalten, den wir schon zwei Jahrtausende durch die Welt geschritten .sind. „> : •Wenn Nahum Goldmann weiter meint, dass in. meinem Gedanken von der Herabdrückung des Judentums durch Nationalisierung eine Bc* Seidigung des Deutschtums liege, so möchte ich. ihm*) folgendes erwidern: Jede Idee hat ihren Wert in ihrer Art, und ihr Wert wird gemindert durch die Veränderung ihrer Art: die Menschheitsideen des Judentums sind übernationaler Art und übernationalen Wertes; ich drücke sie herab, wenn ich sie national einenge. Ganz unabhängig hiervon ist die Bewertung der nationalen Idee; auch sie hat ihren eigenen, für sich bestehenden Wert, Das Deutschtum verliert für mich nichts von seinem nationalen Wert, wenn ich auch für, das Judentum eine nationale Bewertung als dessen Wesen nicht entsprechend ablehne. Ich möchte Nahum Ooldmann das Wort entgegenhalten, das Anatole France in diesen Tagen anlässlich des Jaurcs-Prozesses gesprochen hat: „Kann denn die Liebe zum Vaterland und die Liebe zur Menschheit nicht in einem und demselben Herzen erglühen?" 2. N.iir wenige Worte noch zu dem, was Nahum Goldmann mir En der Frage der zionistischen Kampfesweise erwidert hat Ich bin weit davon entfernt, die Aeusserungen einiger besonders radikaler Zionistcn mit dem Standpunkt der zionistischen Gesamtheit zu indentifizieren, Ich habe nur gesagt, dass sie die Verständigung erschweren, dass trotz aller berechtigten Abschüttelungen von offizieller zionistischer Seite der Geist, dem sie entspringen, der gleiche bleibt. Wir müssen auch auf sie hinweisen, weil wir uns nicht verhehlen dürfen, dass solche Aeusserungen keine blossen Einzelerscheinungen, sondern Konsequenzen sind, die weiter radikale Kreise aus dem Programm des Zionismus ziehen, Konsequenzen» an denen wir nicht vorbeigehen können. Wir haben leider unsere Auseinandersetzung nicht nur mit Nahum Goldmann und seinen engeren Freunden, sondern mit dem Gesamtzionismus zu führen. 3. Ein Wort noch zur Frage des Kongresses. Ich kann keine Inkonsequenz darin erblicken, dass ich den Kongressgedanken bejahe und den Volksgedanken ablehne. Den Kongress, der, wie es von zionistischer Seite ursprünglich geplant war, bei seinen Teilnehmern das Bekenntnis zum jüdischen Volke verlangte, musste ich allerdings ablehnen, und habe ich auch abgelehnt. Ich wüsste aber nicht, warum ich mich von meinem Standpunkte aus nicht einem allgemeinen Kongress ■ In Deutschland, wie ihn die Freunde von Nahum Goldmann ursprünglich abgelehnt haben, beteiligen sollte. Auch den jüdischen Weltkongress würde ich abzulehnen keine Veranlassung haben, da ich nie bestritten ' '*) In, denselben Oedankengängen bewegen sich die Ausführungen, die ein Rabbiner in der Versammlung des J. L. J. vom 29. März gemacht Ssaben "soll, .dass, wein die Nation nicht die höchste Erscheinung des geistigem Lebens sei, kein Patriot sei, keine Versammlungen für Kaiser und Reich 'veranstalten dürfe; des* allgemeine ,l<ulturbrei, von dem man fable, werde feie kommen. Eine seltsame Auffassung aus dem Munde eines Dieners asi Worte Gottes.

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