Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 13 (10.4.1919)
- Article
- Meine Replik
- Date
- 1919-04-10
- Page
- Seite 275 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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273 habe, dass ich einer jüdischen Gemeinschaft angehöre vnji dass es jüdische Interessen zu regeln gilt, auch für uns, die wir nationale Forderungen für die Gesamtjudenheit ablehnen. Oibt es denn bloss nationale Kongresse, gibt es nicht auch internationale Kongresse, insbesondere auch für Religionsgesellschaften? Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einmal auf meinen Vergleich mit der katholischen und , protestantischen Glaubensgemeinschaft zurückkommen, den Nahum Goldmann angegriffen hat. Ich habe nie geleugnet, dass die jüdische Gemeinschaft, infolge ihres gemeinsamen Ursprunges und ihres gemeinsamere Geschicks anderer Art ist wie die katholische und die protestantische. Das tertium comparationis liegt aber darin, dass ich für die jüdische Gesamtheit ebenso wenig eine nationale Existenz und nationale Forderungen anerkenne, wie es die protestantischen und katholischen Glaubensgemeinschaften für sich tun. Herangezogen habe ich das Beispiel nur, weil in der zionistischen „Jüd. Rundschau" nur gesagt worden ist., dass die Katholikengemeinschaft beweise, dass man zugleich national und international sein könne und demgegenüber habe ich für k notwendig gehalten, darauf hinzuweisen, dass ich die Möglichkeit einer Zugehörigkeit zu zwei Gemeinschaften gar nicht leugne; dass aber der Katholizismus der beste Beweis dafür sei, dass das Internationale rein ein religiöses Moment sei. Ich werde es nie bestreiten und habe es nie bestritten, dass es, wie ja die Arbeit bei den Vorbereitungen an den Friedensverhandlungen zeigt, jüdische Fragen gibt, die wir bei aller prinzipieller Gegensätzlichkeit auch mit den Zionlstcn gemeinsam regeln wollen. Denn auch wir sehen das grössere Heil nicht in der gegenseitigen Bekämpfung, sondern in der gemeinsamen Arbeit für die gemeinschaftlichen jüdischen Fragen, wenn wir auch den Gedanken einer Volksgemeinschaft ablehnen müssen. Der erste Sederabend Von ScholemAsch Deutsch von Alexander Eliasberg Er heisst Motje und ist Fuhrmann. Motje hat niemand auf dieser Weh und niemand auf jener WclS ausgenommen seine beiden Schimmel, die er vor sein Fuhrwerk spannt. Sein Heim isf der Stall, seine Familie die beiden Schimmel. Wer er ist und woher er stammt, weiss weder er noch jemand anderer. Im Stall, auf einem Heubündel, in dem durch ein paar Bretter abgeteilten Winkel, da ist er, so glaubt er, geboren und da wird er sterben. Seinen .Vaterhat er gänzlich vergessen; nur das Bild seiner Mutter schwebt ihm manchmal vor den Augen wie der Schein einer kleinen Kerze, die bald verlöschen wird. Er sieht wie im Traume ihr altes, runzliges," sorgenvolles Gesicht unter einer Haube, die fest am Kopfe anliegt und zur Hälfte die Ohren verdeckt. Soweit er aber sonst zurückdenken kann, erinnert er sich nur an den Stall und an die beiden Schimmel. ■ * Sie sind seine besten Freunde. Ist ihm einmal schwer ums Herz, so umarmt er den Hals eines der Schimmel und blickt in die grossen