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Neue jüdische Monatshefte · 1919-04-10 · Heft 13 (10.4.1919) · p. Seite 273

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 13 (10.4.1919)
Article
Meine Replik
Date
1919-04-10
Page
Seite 273 (sequence 2)
Language
German
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271 Zionismus und habe er nie versucht. Er persönlich stehe auf dem Standpunkt, dass wir Juden eine Gemeinschaft eigener Art seien und überhaupt nicht wes.ensgemäss mit westeuropäischen (!) Begriffen wie Volk, Nation, Religion, .Konfession definiert werden können. Behauptet Goldmann, dass das Judentum ein Volk sui generis ist, so kann man diese Erklärung ruhig akzeptieren; denn ein Volk eigener Art ist ^nicht eine Abart der allgemein anerkannten Volksgattung, sondern eine Gattung für sich und das wesentliche Merkmal seiner Gattung ist, dass es ein Volk der Lehre, der Religion, der Sittlichkeitsideen, keine nach völkischer Macht strebende Nation ist. Goldmann hat sich nicht auf eine allgemeine Polemik eingelassen, sondern mich nur in gewissen Punkten richtig stelllen wollen; er hat mich „richtig gestellt'4 dadurch, dass er dasselbe gesagt hat v/ie ich; der Gegensatz, der zwischen mir und ihm verbleibt, ist der allgemeine Gegensatz zwischen zionistischer und nichtzionistischer Auffassung. Um mich zu widerlegen, hätte er beweisen müssen, dass die hohe übernationale und überzeitlich-sittliche Mission unseres Judentums durch seine Nationalisierung gefördert, nicht gefährdet oder gar vernichtet werden würde. Diesen Beweis ist er schuldig geblieben; er hat statt des Beweises nur die Behauptung gegeben, nämlich die Behauptung, dass gerade die besten und jüngsten Kreise des Zionismus die nationalen Forderungen nur als Mittel zur Verwirklichung ethischer und religiöser Aufgaben sehen. Das weiss ich wohl, nur bestreite ich die Richtigkeit und Förderlichkeit dieses Mittels für das gemeinsame Ziel, halte es für widerspruchsvoll und unmöglich, die Ideen des Judentums, die, wie es wieder Katzkin in seinem neuen Buch beweist, ausserhalb und über dem Wesen des Nationalen stehen, durch das Mittel der Nationalisierung: zur Auswirkung auf die Welt bringen zu wollen, zumal Nahurn Goldmann selbst sagt, dass dieses Mittel, die Schaffung des Nationalbegriffcs, das Wesen des Judentums nicht erschöpft und aus den Forderungen der politischen Lage geboren ist, also — ich bleibe dabei — eine „Konzession an die Zeitlichkeit" ist. Nun meint aber Nahurn Goldmann weiter, wenn man „stolz und selbstbewusst" solche Konzessionen nicht mitmachen wolle, solle man doch andere Wege weisen, die grosse Aufgabe des Judentums zu realisieren; wie den der Errichtung der jüdischen Gemeinschaft in Palästina. Gerade das Judentum habe seinem innersten Wesen gemäss stets solche Konzessionen an die Zeitlichkeit zur Verwirklichung seiner Ideen gemacht, da es durch niclits charakteristischer bestimmt und Wosn Christentum geschieden wäre, als durch den Willen, seine sittlichem Ideale auf dieser Erde zu verwirklichen. Man könne nicht irdische Verwirklichung ewiger Postulate wollen, ohne die Mittel dieser Verwirklichung, ohne die Politik zu bejahen. — Jawohl, — auch wir wollen auf dieser Erde wirken, bloss sehen wir nicht ein, dass unsere Ideen, um auf die Erde, und zwar auf die ganze Erde zu wirken, national gebunden werden müssen. Auch wir v/ollen Wege weisen, die grosse Aufgabe des Judentums zu realisieren, doch woUcn wir nicht wieder den Weg weisen, den die Judenheit schon zweimal Jiat aufr

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