Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 13 (10.4.1919)
- Article
- Was nun?
- Date
- 1919-04-10
- Page
- Seite 271 (sequence 5)
- Language
- German
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269 auf dem die Mitarbeit aller deutschen Juden, die den Willen zu dieser Solidarität haben, ermöglichen lassen wird. Nur dies sei gesagt: Es liegt eine Inkonsequenz vor, wenn Herr Geheimrat Fuchs den Kongressgedanken bejaht und den Volksgedanken ablehnt. Der Kongressgedanke ist nur die organisatorische Ausdrucksform des judischen Volksgedankens, der Politisierung der JudenheäL . Er ist das Mittel, um die deutsche Judenheit in diesen Politisicnmgsprozess hineinzuziehen, um sie zur Anteilnahme an der Führung der jüdischen Politik zu veranlassen. Die jüdische Politik kann aber, ich habe dies bereits ausgeführt, nur eine jüdisch-nationale sein. Man kann das Territorium Palästina nur für das jüdische Volk erlangen; man kann die nationale Autonomie nur für das jüdische Volk erlangen. Man kann die Anerkennung des Judentums als einen politischen Faktor, die Vertretung der Juden auf. der Friedenskonferenz in Paris nur für ein jüdische^ Volk verlangen. Jüdische Politik bejahen, die Formulierung der jüdischen Politik bejahen, die Mitarbeit an dieser Politik wollen, und den jüdischen Volksgedanken verneinen, bedeutet sachlich eine Inkonsequenz. Denn noch einmal sei es betont, nicht anders als politisch mtiss der jüdische Nationalismus bewertet werden, als die einzig mögliche Form, in der heute die jüdische Gemeinschaft Politik treiben und die politischen Forderungen, deren Verwirklichung für ihre Existenz notwendig ist, erreichen kann. Deswegen Siaben wir den Kongressgedanken auf der Basis des Volkstums aufgebaut, weil das eine nur eine andere Altsdrucksform des andern ist, und die jüdische Kongressbewegung in der Jdee und in ihrer Logik nur die Kongressbewegung des jüdischen Volkes sein kann, wie sie es in den anderen Ländern ja auch de facto ist. Aber, wie gesagt, noch wichtiger als düese theoretische Erwägung sind die sachlichen Tatsachen. Und bei allem Bedauern darüber, dass ein Teil des deutschen Judentums sich noch sträubt, das jüdische Volkstum anzuerkennen, haben wir doch allen Grund zur Freude, dass in den sachlichen Forderungen das 'gesamte deutsche Judentum eigentlich schon heute mit uns einig ist. Es verlangt mit und die gemeinsame Mitarbeit mit allen Juden an der jüdischen Politik und es vertritt mit uns das grosse jüdische Friedcnsprogramm: Palästina, nationale Autonomie und Gleichberechtigung. Besteht die Übereinstimmung in diesen sachlichen Forderungen, so wird die Verständigung auch in der Kongresssache an der theoretischen Formulierung nicht scheitern dürfen, und ich hoffe, dass mit demjenigen deutschen Juden, die, wie Herr Geheimrat Fuchs diese sachlichen Forderungen der jüdischen Politik vertreten, eine Verständigung möglich sein wird. Die theoretische und logische Inkonsequenz wird bei diesem aber doch bestehen bleiben. Ich hoffe, auch sie wird im Laufe der Zeit verschwinden. Jedenfalls besteht für Herrn Geheimrat Fuchs gewiss kein Grund, uns Vorwürfe theoretischer und grundsätzlicher Natur zu machen. Wir vertreten einen konsequenten Standpunkt. Wir drücken nicht das Judentum herab, wir machen nicht aus dem Judentum ein chauvinistisches, imperialistisches Volk wie alle anderen; wir halten an der Einzigartigkeit der jüdischen GemeSn-