Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 13 (10.4.1919)
- Article
- Was nun?
- Date
- 1919-04-10
- Page
- Seite 270 (sequence 4)
- Language
- German
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268 Cohn, und die Aeusserung anderer „Heissporne" der Partei, wie er sie .nennt .Ich will hier nicht den Standpunkt Erich Cohn's verteidigen, der nicht der meine ist; aber, da es nachgerade, zü" einer allgemein üblichen Kampfesmethode unserer Gegner geworden ist, Aeusserungen einzelner Zionisten als massgebend für die Gesamtheit hinzustellen, und sie zum Ausgangspunkt einer Polemik zu nehmen, so sei mit allem Nachdruck festgestellt, dass diese Polemik den ganzen Zionismus nicht treffen kann . Der Zionismus hat keine Weltanschauung und äst nicht einmal Partei im üblichen Sinne des Portes. Er ist das jüdische Volk im kleinen; er urnfasst Juden der verschiedensten Richtungen, der verschiedensten sozialen, ethischen, philosophischen Auffassung! und kann niemals verantwortlich gemacht werden für den theoretischen Standpunkt der einzelnen seiner Anhänger. Er ist eine politische Organisation, und massgebend für ihn ist lediglich sein politisches Programm. Vertritt Erich Cohn seinen Standpunkt, so ist es sein gutes Recht, aber hat nichts zu tun mit dem Zionismus als solchem. Es gibt ebensoviele Zionisten, es gibt wohl mehr Zionisten, die gerade den entgegengesetzten Standpunkt vertreten, und aueli der ihrige ist nicht der massgebliche. Dass Herr Geheimrat Fuchs den Standpunkt Erich Cohn's ablehnt, kann kein Grund für ihn sein, den Zionismus abzulehnen. Je mehr der Zionismus sich durchsetzt und je weniger seine Gegner gegen seine wirklich programmatischen Forderungen einzuwenden haben, (denen sie in der Sache doch eigentlich heute schon zustimmen) um so mehr macht sich die Methode geltend, die Aeusserungen einzelner seiner Anhänger als Gründe der Ablehnung hinzustellen. Die Orthodoxie pflegt Bub er zu zitieren, die Assimilation wird, fürchte ich, in der nächsten Zeit sich daran gewöhnen, Klatzk i n zu zitieren, der den radikalen nur politischen Zionismus vertritt Beides ist unbegründet, denn auch die Gegner wissen, dass der Zionismus auf Grund seiner Struktur, seines Zieles, seines Programms gar nicht haltbar gemacht werden kann für den Standpunkt einzelner seiner Anhänger, sondern dass jeder, der mit dem Programm einverstanden ist, mag er im übrigen denken wie er will, Platz und Raum hat innerhalb des Zionismus, 3) Zur Frage, des Kongresses sei nur in aller Kürze <gesagt: Herr Geheimrat Fuchs erklärt sich für den Kongressgedanken, erklärt sich auch für die politischen Forderungen, die das Judentu'm der gesamten Weit heute aufgestellt hat und deren Annahme durch das deutsche Judentum er, wie wir wünscht. Ich begrüsse diesen Standpunkt. Herr Geheimrat Fuchs lehnt die gegenwärtige Formulierung des Kongressgedankens insofern ab, als das Bekenntnis zum jüdischen Volke als Voraussetzung verlangt wird. Es wird darüber noch zu sprechen sein, inwieweit hier eine Verständigung möglich sein wird. Das Entscheidende in der Kongressidee liegt sachlich in dem Willen zur Solidarität mit dem Gesamtjudentum, auch in politischer Hinsicht, in dem Willen zur Vertretung der jüdisch-politischen Forderungen, in dem Willen zur Mitarbeit an den Aufgaben der jneuen jüdischen Zukunft, ich hoffe, dass sich ein Weg finden lassen wird,