Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 13 (10.4.1919)
- Article
- Was nun?
- Date
- 1919-04-10
- Page
- Seite 272 (sequence 6)
- Language
- German
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270 schaft fest. Wir glauben an die sittliche und religiöse Aufgabe des Judentums und wollen Ernst machen mit ihrer Verwirklichung, deswegen verlangen wir die Freiheit des jüdischen Schaffens und Daseins, deswegen verlangen wir Palästina und die nationale Autonomie; man kenn aber Palästina und die nationale Autonomie politisch nur ver- , langen für ein jüdisches Volk und deswegen ist das jüdische Volkstum Basis und Voraussetzung unserer Politik. Bejaht man die jüdische Politik in ihrer heutigen Form, so muss man diese »Voraussetzung früher oder später auch bejahen. Wir freuen uns, dass Herr Geheirnrat Fuchs und seine Anhänger mit uns die jüdische Politik bejahen, und wir hoffen, dass der Weg sie schliesslich auch dahin führen Avird^ die Voraussetzung dieser Politik, das jüdische Volkstum1, zu bejahen. Meine Replik. Von Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs. 1. Nahum Goldmann fragt, welche massgebende zionistische Theorie das Judentum zu einem rein politischen oder mehr noch chauvinistisch-imperialistischen Volke mache, und mir so das Recht zu meinen Worten gebe, dass derjenige, der aus dem Judentum ein Wald- und Wiesenvolk mache, nicht voll den Begriff des Judentums erfasst habe. . . .? Zunächst möchte ich bemerken, dass der Zustand, von dem ich spreche, gar nicht das ausdrücklich gesetzte Ziel irgendeiner massgeblichen zionistischen Richtung zu sein braucht, sondern sich bei jedem Volke aus der Not des Existenzkampfes mit Naturnotwendigkeit ergeben muss, mögen dem Willen der Volksbegründer auch chauvinistisch- Imperialistische Tendenzen ferngelegen haben. Abgesehen von diesem Punkt, in dem mich Goldmann wohl missverstanden hat, kann ich seinen Einwurf nicht verstehen; denn er gesteht mir das zu, was er bestreitet. Ich sage: Die Zionisten glauben, sie müssten jüdischnnational sein, um im Völker- und Friedenskongress anerkannt zu werden und Nahüm Goldmann sagt, dass wenn man für das Judentum die heute allgemein anerkannten Forderungen (Palästina, nationale Autonomie) durchsetzen wolle, dies nur tun könne, wenn man sie für ein jüdisches Volk verlange. Nahum Ooldmann macht also , selbst das Judentum zu einem politischen Volke, und er macht es bewusst dazu, um 'politische Forderungen für dieses Volk durchzusetzen. Er verlangt; nicht Palästina und die Autonomie aus einem vorhandenen politischen Volksbegriff heraus, sondern er stellt den Volksbegriff auf, um politische Forderungen durchzusetzen. Wir unterscheiden uns also in folgendem: Ich lehne es ab, das Judentum aus politischen Gründen auf das Niveau eines weitlichen Volkes herabzusetzen, und er erklärt, dass der Zionismus das.Judentum national definieren müsse, weil man in der Gegenwart . nur für Nationen politische Forderungen erreichen könne, dass er durch diese Definition aber absolut keine wesensgemässe Begriffsbestimmung des Judentums geben wolle. Theoretisch und wesensmässig das Judentum zu definieren sei nicht Aufgabe des