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Neue jüdische Monatshefte · 1919-04-10 · Heft 13 (10.4.1919) · p. Seite 269

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 13 (10.4.1919)
Article
Was nun?
Date
1919-04-10
Page
Seite 269 (sequence 3)
Language
German
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267 Der Vergleich trifft nicht zu. Fordern die Protestanten und Katholiken und Mohammedaner eigene Territorien? Fordern sie nationale Autonomie? Gibt es Mohammedaner auf der Friedenskonferenz? Herr Geheimrat Fuchs weiss doch, dass man das Judentum, auch wenn man sich gegen die Anwendung des Volksbegriffes sträubt, doch nicht ohne weiteres anderen Glaubensgemeinschaften .vergleichen kann. Herr Geheimrat Fuchs bejaht die politischen Forderuhgen des Judentums; sollte er nicht daraus die Konsequenz ziehen, dass wir eine andere Gemeinschaft darstellen als die Protestanten, Katholiken und Mohammedaner, und wüsste er einen anderen Weg als den der nationalen Politik, um diese Forderungen, die er bejaht, zu verwirklichen? „Wir machen diese Konzession an die ZeitlichkeitNhicht mit", erklärte er. Weiss Herr Geheimrat Fuchs andere Wege, die grosse Aufgabe des Judentums zu realisieren, als durch die Errichtung der jüdischen Gemeinschaft in Palästina? Und ist es nicht innerstes Wesen des Judentums, stets Konzessionen an die „Zeitlichkeit" gemacht zu haben, um seine Ideen und Postalate auf dieser Erde zu verwirklichen? Was scheidet Judentum tiefer, grundsätzlicher und unüberbrückbarer vom Christentum als dies, dass dieses transzendental ist, die Erlösung und Verwirklichung in die Sphäre des Ueberirdischen verlegt, und so zu seiner furchtbaren Dualität vom sündigen Dasein auf dieser Erde und vom reinen Dasein in der transzendentalen Sphäre gelangt (jener Dualität, deren Ergebnis im Grunde genommen die europäische Kultur unserer Zeit und dieser Krieg ist). Und was ist dem Judentum spezifisch wesensgemässer als gerade sein Wille, seine Ideale auf dieser Erde zu realisieren, als seine Verneinung der Qualität und sein Glaube an das „Paradies auf Erden?" Man kann aber nicht irdische Verwirklichung ewiger Postulate wollen, ohne die Mittel dieser Verwirklichung zu bejahen, ohne die Politik zu bejahen, d. h. ohne diese Konzession an die „Zeitlichkeit" zu machen. Es klingt sehr selbstbewusst, wenn man diese Konzession ablehnt, und ist doch im Grunde genommen ein Njchternstmachen, ein Sichbegnügen mit dem Glauben an die Aufgaben des Judentums und ein Davorzurückscheuen, diese Aufgaben in die unmittelbare aktuelle Wirklichkeit, in die unmittelbare seibstgegebene Tat umzusetzen. (Im übrigen und nebenbei bemerkt, wenn die Definition des Judentum als Volk ein solches „Herabdrücken" bedeutet, wenn es .eine so furchtbare Konzession an die Zeitlichkeit: darstellt, dass Herr Geheimrat Fuchs um der Wahrung der Ewigkeit des Judentums willen sie nicht mitmachen will, wenn das politische Volkstum für ihn etwas so Ablehnenswertes ist, warum predigt er, der doch ebenso guter Deutscher wie Jude sein will, diese Lehre nicht auch dem deutschen Volke? Es müsste ein deutscher Jude gewissermassen als Deutscher gegen diese Auffassung protestieren, die doch das Deutsch-, tum ausserordentlich beleidigt.) 2) Ich will nicht auf die Vorwürfe eingehen, die Herr Geheimrat Fuchs der Kampfesweise der Zionisten macht, von der er erklärt, dass sie eine Verständigung so sehr erschwere. Es sind dies keine Einwände prinzipieller Art, nur uns sei hier mit aller Entschiedenheit betont: Herr Geheimrat Fuchs zitiert wieder einmal den Aufsatz des Herrn Erich

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