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Neue jüdische Monatshefte · 1919-04-10 · Heft 13 (10.4.1919) · p. Seite 268

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 13 (10.4.1919)
Article
Was nun?
Date
1919-04-10
Page
Seite 268 (sequence 2)
Language
German
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266 und die nationale Autonomie für das jüdische Volk. Es ist politisch die einzig mögliche Form der Definition des Judentums. Könnte man heute in einer Zeit nationaler Politik, da der Träger und das Subjekt der Politik ist, etwa«im Namen der jüdischen Glaubensgemeinschaft Palästina fordern, oder die nationale Autonomie verlangen, die doch die Konsequenz des Nationalitätenprinzips darstellt? Will man für das Judentum die heute allgemein anerkannte Forderungen durchsetzen, so kann man dies nur tun, wenn man sie für ein jüdisches Volk verlangt. So und nicht anders ist der Nationalismus der zionistischen Theorie aufzufassen. Theoretisch und wesensmässig das Judentum zu definieren, ist nicht Aufgabe des Zionismus und hat er nie versucht. Es gibt Zionisten, die es tun. Es gibt viele, die es bekämpfen. Ich stehe durchaus auf dem Standpunkt, dass das Judentum wesensmässig nicht als. Volk erschöpfend definiert werden kann, ebensowenig wie man es mit dem Begriff Religionsgemeinschaft definieren kann. Wir sind eine Gemeinschaft eigener Art und können überhaupt nicht wesengemäss mit westeuropäischen Begriffen wie Volk, Nation, Religion, Konfession definiert werden. Herr Geheimrat Fuchs hätte hur dann recht, wenn der Zionismus aus dem Judentum nichts anderes als ein politisches Volk machen wollte, aber es sind gerade die besten und die jüngsten Kreise des Zionismus, die in den politischen Forderungen nur ein Mittel zum Zweck erblicken, die in der Schaffung der Heimstätte in Palästina nur die Voraussetzung für die Erfüllung und Verwirklichung ethischer und, religiöser Aufgaben sehen. Kennt Herr Geheimrat Fuchs nicht diesen Zionismus, der innerhalb der Bewegung immer mehr und mehr um sich greift? Gerade dann, wenn man es mit dem Volk der „Religion", mit dem Volk der „Lehre" so ernst nimmt, muss man den politischen Zionismus bejahen, weil ohne ihn die religiöse und die sittliche Aufgabe des Judentums unerfüllbar sind. Ein Volk, dem die äussere Freiheit zu selbständigem Tun fehlt, kann seinen inneren Aufgaben nicht gerecht werden. Ist man von der Idee der Mission des Judentums durchdrungen, glaubt man an die grosse Aufgabe des Judentums in der Geschichte und ist man konsequent genug, Ernst damit zu machen und sich nicht mit diesem theoretischen Glauben allein zu begnügen, dann muss man das jüdische Palästina wünschen, das erst die äussere Voraussetzung schafft, um diese Aufgaben zu realisieren. Aus Gründen der Idee, aus dem Glauben an die sittlichen und religiösen Aufgaben des Judentums in der Geschichte wollen wir Palästina, wollen wir den politischen Zionismus, ohne den Palästina in dieser Zeit der nationalen Politik {nicht .-erreicht werden kann, wollen (wir ,den jüdischen Nationalismus, der das politische Medium ist, um unserem Volke die äussere Freiheit wiederzugeben, Herr Oeheimrat Fuchs erklärt: „Die Zionisten glauben, sie müssten jüdisch-national sein, um einen Völker- und Friedenskongress anzuerkennen. .Wir machen diese Konzession an die Zeitlichkeit nicht mit, wir wollen «nicht, dass die Glaubensgemeinschaft herabgedrückt wird, so wenig es den Protestanten, Katholiken und Mohammedanern beikommt, ihre Glaubensgenossen um des Glaubens wegen zu völkischen Einheiten zusammenzuschiiessen."

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