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Neue jüdische Monatshefte · 1919-04-10 · Heft 13 (10.4.1919) · p. Seite 266

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 13 (10.4.1919)
Article
Maximalistischer Zionismus
Date
1919-04-10
Page
Seite 266 (sequence 10)
Language
German
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264 Eindruck macht. Diese ganze Kulturarbeit kann überhaupt nur als Vorarbeit zu der Vorarbeit für Palästina in Betracht kommen. Ihre Propaganda sollte aber auch dementsprechend erheblich weniger anspruchsvoll auftreten. Noch ist die Gefahr des Maximalismus in der zionistischen Organisation Deutschlands zu bannen, wenn ihre Anzeichen erkannt und bekämpft v/erden. In der zionistischen Weltorganisation, die heute vor dem Beginn der Verwirklichung ihrer Ideale steht, ist für allen Maximalüsmus wie in jeder zu praktischer Arbeit berufenen Partei keinerlei Raum. Es ist auch keine Stimmung dafür vorhanden, denn der. Maximaüsmus der „Praxis" wie 'der russische Bolschewismus zeigt, jst^ gegründet auf einer Verzweiflung der- Massen, für die im Zionismus kein Grund vorhanden ist und hoffentlich auch nie Grund sein wird, und zugleich auf veiner Verwirrung der wirtschaftlichen Verhältnisse, die in Palästina nicht cinreissen zu lassen die Schutzmächte des Landes alle Veranlassung haben werden. Will die zionistische Organisation Deutschlands ihre frühere Stellung innerhalb der Gesamtorganisation bewahren, soweit das möglich ist, so scheint es mir eine dringende Aufgabe, dass sich aus ihrer Mitte heraus eine Gruppe einsichtiger Politiker zu einem festen Kern zusammenschliesst, mit dem besonderen Ziel der Bekämpfung der maximalistischen Strömungen, und zwar in der Hauptsache des sozialen Maximalismus, der das zionistische Ideal zu einem kommunistischen Experiment verwässern möchte. Für wirtschaftliche Versuche dieser Art ist das jüdische Volk zu schade. Die mögen sich, wenn sie Lust dazu haben, andere Völker gestatten. Das jüdische Volk soll nach dem Willen der allermeisten Zionisten in Palästina ein Ende seiner zweitausendjährigen Wanderschaft im ruhigen Wiederaufbau seines Volkstums und seiner Kultur finden. Zu solchem Neubau brauchen wir feste und bewährte Träger, nicht Luftkonstruktionen aus Niemandsland. * Die Formulierung dieser Warnung ist vielleicht etwas scharf geraten, weil die Gefahr nahe und drängend ist. Dieselben jüdischen „Theoretiker", die wir in Deutschland und Russland leider vielfach.an der Arbeit sehen,_den Sozialismus unheilbar zu kompromittieren und — was uns näher angeht — die Judenheit mit ihm, dieselben Leute sind es, die auf unsere jüdischen Maxtmalisten den grössten Einfluss ausüben. Marx und Lassale sind ja heute Reaktionäre. Trotzki und Landauer sind die neuen Götter, zu-d£raen wir heute beten sollen. Das rechtfertigt wohl ein wenig manche Schärfe. Viele Einwände gegen meine Ausführungen glaube ich zu kennen. Vor allem dürfte man mir mangelndes Verständnis für den'grossartigen Idealismus vorwerfen, der auch in diesen maximalistischen Bewegungen zum Ausdruck kommt, und die Unfähigkeit, das nach Gestaltung ringende Neue in diesen Strömungen zu erkennen. Diese Einwände können mich nicht treffen. Idealismus nehme ich für" mich wie für alle Zionisten in gleichem Masse-in Anspruch. Er gibt aber keinen Freibrief für die unverantwortliche Gefährdung praktischer Arbeit, durch die unserem Volke seine alte Heimat neu geschaffen werden soll. Neues erkenne ich in den

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