Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 13 (10.4.1919)
- Article
- Maximalistischer Zionismus
- Date
- 1919-04-10
- Page
- Seite 267 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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265 erwähnten Strömungen der Gegenwart freilich sehr wenig. Die meisten dieser „neuen" Theorien sind gute alte Bekannte, die unter denselben oder anderen Namen schon jahrhundertelang in der Geschichte Verwirrung stiften. Dass sie dieses Unheil auch in dem >neuen Kapitel jüdischer Geschichte anrichten, das wir zu beginnen hoffen, davor möchte ich unser Volk nach Möglichkeit bewahrt sehen. Uebrigens habe ich nicht die Hoffnung, jemanden zu bekehren. Ich wollte die vielen scheinbar Ahnungslosen warnen, die anderen zu entschlossener Gegenwehr aufrufen. Der Maximalismus, der seiner Natur nach eine Spitzenfonu der Parteibildung sein muss, als Massenbewegung ist ja überhaupt nur als eine Krankheitserscheinung unserer Zeit zu verstehen. Dagegen helfen einzelne Reden und Artikel wenig — dagegen hilft nur eine geistige Desinfektionsarbeit grossen Stils, die organisiert sein muss, um wirksam zu werden. Wer will mithelfen? „Was nun?64 Eine Erwiderung von Nahum Goldmann, Berlin, ie Ausführungen die Herr Geheimrat Dr. Eugen Fuchs in seinem Aufsatz „Was nun?" (Neue Jüdische Monatshefte Nr. 7/S, III. Jahrg.) über den Zionismus und das nationale Judentum gemacht hat, zwingen zu einer Erwiderung. Es handelt sich nicht um eine Polemik, die nach 20 Jahren der Diskussion über den Zionismus heute wohl kaum noch neue, fruchtbare Momente zu Tage fördern könnte, sondern vielmehr um eine Richtigstellung mancher seiner Ausführungen, in denen Sinn und Wesen des Zionismus durchaus missverständlich gekennzeichnet werden. Ich will mich hierbei auf die wesentlichsten Punkte beschränken. 1. Herr Geheimrat Fuchs wirft den Zionismus vor, dass er das Judentum erniedrige. Man könnte sagen, meint er, dass „derjenige, der aus dem Judentum ein Wald- und Wiesenvolk, ein nach völkischer Macht strebendes, chauvinistisches, imperialistisches, von Volksleidenschaft getriebenes Volk macht, nicht voll den Begriff des Judentums erfasst hat. Wir glauben, eine höhere Auffassung vom Judentum zu haben, wenn wir das Volk der Religion, das Volk der Lehre nicht auf das Niveau eines weltlichen Volkes herabdrücken, das an Raum und Zeit gebunden ist und wie alle Völker wie Spreu vor dem Winde verwehen". Zunächst und vor allem: Woher nimmt Herr Geheimrat Fuchs das Recht jeu dieser Behauptung? Wo ist die massgebende und vom Zionismus als solche anerkannte.zionistische Theorie, die das Judentum zu einem reZai politischen, oder mehr noch, chauvinistisch »imperialistischen Volke machen will? Der Zionismus hat dies niemals getan. Erklärt er, dass die Juden ein Volk sind, sk> hat er damit keine theoretische, Wesens* gemässe Definition des Judentums geben wollen. Er ist ei>.e politische Bewegung und vertritt lediglich ein politisches Programm, Nur vom politischen Gesichtspunkt ist sein Volksbegriff zu betrachten. Seine Definit.ionderjüdischenOemeinschaftalseinesVoIkcs gilt für das Judentum als das Subjekt und den Träger politischer Forderungen und Rechte. Er verlangt Palästina