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Neue jüdische Monatshefte · 1919-04-10 · Heft 13 (10.4.1919) · p. Seite 265

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 13 (10.4.1919)
Article
Maximalistischer Zionismus
Date
1919-04-10
Page
Seite 265 (sequence 9)
Language
German
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263 konzentrieren, statt alle deutschen Juden, die sich nur irgend durch ihre Mithilfe und Mitarbeit zu ihrem Volke bekennen mögen, zu dem Riesenwerke heranzuziehen, statt dessen glauben deutsche Zionisten, die jüdische Kultur zu fördern, wenn sie vorher von jedem deutschen Juden einen Schein fordern. Das System des „roten Zettels" — nur umgekehrt. So wird die gesunde Idee des jüdischen Kongresses in Deutschland durch eine vielfach masslos doktrinäre Agitation gelähmt statt gefördert, es werden allen Gegnern die Waffen geradezu in die Hand gedrückt. Nur eins der tollsten Beispiele, dessen Auswertung sich die Antizionisten natürlich nicht haben entgehen lassen, sei für diese Art des maximalistischen Zionismus hier angeführt: da wird es in einem Artikel, der in der Jüdischen Rundschau ohne alle Vorbehalte erschien, als eine der selbstverständlichsten Forderungen an die deutschen Zionisten bezeichnet, dass sie sich um die Wahlen zur deutschen Nationalversammlung nicht zu kümmern hätten, wie sie die deutsche Politik überhaupt nichts anginge usw. Und das schreibt nicht irgendwer, sondern ein wissenschaftlich gebildeter und nicht mehr zu den Allerjüngsten gehörender Zionist, der im täglichen Leben sicher hundertmal selbst gegen die Forderungen handelt, durch die er da öffentlich den Zionismus blossstellt. Natürlich erschien nachträglich in der Jüdischen Rundschau die Feststellung, dass der namentlich gezeichnete Artikel ausschliesslich auf die Verantwortung des Schreibers falle. Dass der Artikel besser nicht erschienen wäre, hat sich die Redaktion dann wohl selbst gesagt, dass er geschrieben werden und erscheinen konnte, ist bezeichnend für das Anwachsen der Strömung, auf deren Gefahren aufmerksam zu machen diese Zeilen bestimmt "sind. Zwjei Mannheimer Zionistinnen, die als Dankopfer für ihren „ersten Gang zur Wahl" am 19. Januar dem jüdischen Nationalfonds eine Spende zuführten, wie der Ausweis in einer der folgenden Nummern der Jüdiscjhcn Rundschau berichtete, haben mit dieser schlichten Handlung wahrhaftig mehr politisches Verständnis bewiesen als der gelehrte Verfassen des erwähnten Artikels. Der weit- und wirklichkeitsfremde nationale Maximalismus hat neben dem politischen noch einen kulturellen Zweig, auf den ich hier nicht näher eingehen will, weil diese Erörterung zu weit führen und gegen meinen Willen statt zur Klärung möglicherweise zur Verwirrung beitragen könnte. Das eine muss aber gesagt werden, dass es ein Irrglaube ist, Kultur „machen" zu können. Unsere jüdische Kultur muss erst in Palästina wieder den Anschluss an den Boden finden. Sie muss auf der Erde unserer Väter von neuem erwachsen, und dann erst werden wir sie verbreiten, die Juden der Diaspora für sie gewinnen können. Der Weg muss von dem Kulturzentrum aus in die Zerstreuung führen, aber nicht umgekehrt. Bei der heute in Deutschland vielfach üblichen Art der Kulturpropaganda werden wir eines Tages vor der Gefahr stehen, dass die jüdische Kultur Palästinas sich als etwas ganz und gar anderes darstellen wird, als die sogenannte „jüdische Kultur" in der Diaspora, zumal die jüdischen „Kulturkämpfer" von heute in Deutschland doch zu allermeist selber, von deutscher Kultur sind und ihre vermeintlich jüdische Kultur auf jeden, der heutiges jüdisches Kulturleben wirklich aus der Nähe kennen gelernt hat, einen stark angeklebten .

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