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Neue jüdische Monatshefte · 1919-04-10 · Heft 13 (10.4.1919) · p. Seite 264

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 13 (10.4.1919)
Article
Maximalistischer Zionismus
Date
1919-04-10
Page
Seite 264 (sequence 8)
Language
German
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262 Ich glaube nicht, dass jemand mir den Vorwurf machen kann, ich feei ein Befürworter der Assimilation. Dagegen sollte mich meine zwanzigjährige zionistische Vergangenheit schützen. Aber ich muss gegen die immer stärker sich breit machende Vergewaltigung von Tatsachen auftreten, die ebenso wenig im Interesse des Zionismus liegt wie die Vergewaltigung von Ideen, die länger als zwei Jahrzehnte an ihm Selbst versucht worden ist. Es ist nun auch für die deutschen Zionisten an der Zeit, dafür einzutreten, dass die reinen Phrasen aus der zionistischen Phraseologie endlich einmal verschwinden. Statt dessen nehmen sie infolge der eifrigen Bemühungen einiger junger Zionisten, die an Kenntnissen und Erfahrungen zwar noch sehr arm, |dafür an Worten desto reicher sind, einen immer grösseren Raum ein. Den schonen Idealismus aller dieser Zionisten zu verkennen, bin ich der letzte. Aber wir leben in einer Welt, die am Ende, allem hochtrabenden Gerede zum Trotz, doch nur die Tatsachen der nackten Wirklichkeit anerkennt. Und diese Tatsachen zeigen uns im Hinblick auf die deutschen Juden, dass es sehr verkehrt ist und vom Standpunkt der politischen Agitation für den Zionismus nicht einmal geschickt, die deutschen Juden als eine einheitliche Masse aufzufassen und allen dasselbe Credo zuzumuten, wie es unsere Maximalisten ^tun. Auch damit ist die Leitung der deutschen zionistischen Organisation, deren Grundgesetz ja nur das Basler Programm von 1897 ist, nicht direkt in Verbindung zu bringen, obwohl sie hier noch mehr Konzessionen zu 'machen beginnt als auf sozialem Gebiete. Aber auch hier ist angesichts 'des Umstandes, dass es natürlich im wesentlichen die jüngeren Elemente sind, die durch eine weit über das Ziel hinausgehende — mehr von deutschem als von jüdischem Nationalismus beeinflusste — Agitation zu diesem Maximalismus verführt wurden, die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass auch die Leitung allmählich in solche Hände übergehen könnte. 'Die Begründer des Zionismus, vor allem sein erster grosser Führer Theodor Herzl, wussten sehr genau, was sie taten, als sie nur ein Ziel dem Zionismus stellten: Palästina dem jüdischen Volke als öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte wieder Zugewinnen. Erst die Kommentatoren und Interpreten in den langen Jahren, da für die Wiedergewinnung des Landes anscheinend nichts getan werden konnte, haben andere Aufgaben hinzugebracht, weil das eine ferne Ziel „Palästina" zu wenig schien, um eine grosse Bewegung dauernd zu beschäftigen. Heute, wo das Ziel plötzlich greifbar nahe vor uns steht, da erkennen, alle, nein fast alle, dass an praktischer Vorbereitungsarbeit viel zu wenig geschehen ist, dass dieses überaus umfangreiche Gebiet der Vorarbeiten für eine so riesenhafte kolonisatorische Aufgabe noch kaum recht in Angriff genommen ist. Alle Zionisten in allen anderen Ländern erkennen das und natürlich eine grosse Zahl auch in Deutschland. Gerade hier aber, wo man infolge des Ganges der politischen Ereignisse ohnehin ein wenig in der nicht zu leugnenden Gefahr ist, auf die Outsider-Seite zu geraten, hat man Zeit und Energie, um ausgerechnet jetzt, wo die Praxis einer, ungeheuren Arbeit alle Fähigen fordert, nationalistische Ooktorfragen in Volksversammlungen zu erörtern. ..... . Statt alle Kräfte wenigstens jetzt auf das eine Ziel Palästina zu

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