Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 13 (10.4.1919)
- Article
- Maximalistischer Zionismus
- Date
- 1919-04-10
- Page
- Seite 259 (sequence 3)
- Language
- German
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257 kaum mehr vermeidbar, dass die Partei von innen heraus gewaltsam aufgelöst und ihre Idee zur Unfruchtbarkeit verurteilt wird- * Weshalb diese parteitheoretischen Erörterungen an die Spitze dieses Artikels über Zionismus gestellt werden? Allen deutschen Zionisten, die der Entwicklung der letzten Jahre mit offenen Augen gefolgt sind, wird es klar sein, und den Nichtzionisten wird kein Geheimnis verraten, wenn hier festgestellt wird, dass der Zionismus in Deut schland sich in einer nach der Ansicht vieler Zionisten überaus bedrohlichen Entwicklung zum Maximalismus hin befindet. Und zwar, wie es dem eben erörterten Wesen des Maximalismus entspricht, nicht nur auf sozialem Gebiete, sondern auch auf vielen anderen Gebieten seiner Betätigung. Bedrohlich aber ist diese Entwicklung in erster Linie für den deutschen Zionismus selbst. Man braucht die Unterscheidung in Entente-Zionisten, neutrale und andere nicht mitzumachen, denn sie ist falsch, und der Zionismus ist, was ein hohes Lob und Anerkenntnis der Stärke seiner Idee ist, in all den vier Kriegsjahren eine wahrhaft interterritoriale und zwischenstaatliche Organisation geblieben. Aber es wäre töricht zu behaupten, dass die nun fast fünfjährige Absperrung Deutschlands gerade an den deutschen Zionisten spurlos vorübergegangen sei. Eine Absperrung zudem, die z. T. infolge der Kriegsereignisse immer viel strenger nach dem Westen hin war als nach dem Osten, wo sich mit den Juden Polens, Litauens, Kurlands und auch des übrigen Russlands mannigfache Verbindungen herstellen liessen, die ganz naturgemäss die deutschen Zionisten stärker beeinflussten als die des Ostens. Soweit sich dieser Einfluss auf wirklich und wahrhaft jüdische Dinge erstreckt, weise ich es ausdrücklich von mir, auch nur ein Wort dagegen zu sagen, da ich ja für einen solchen Einfluss schon vor anderthalb Jahrzehnten eingetreten bin, als die deutschen Zionisten in ihrer Mehrheit noch sehr weit davon entfernt waren, ihn zu billigen geschweige denn zu fördern. Leider aber ist diese Beeinflussung der deutschen Zionisten vom Osten her auf allgcmeinpolitischem und1 sozialem Gebiete weit stärker als auf dem speziell jüdischen. Es ist kaum ein Vorwurf, dass die Zionisten in Deutschland dem östlichen Einfluss leider im selben Grade erlegen sind wie viele andere deutsche Kreise, aber diese Tatsache ist sicherlich für die unbedingt notwendige Geltung des deutsch-zionistischen Einflusses in der Gesamtbewegung eine noch grössere Gefahr als der Bolschewismus für die deutsche Politik. Nehmen wir zwei Beispiele, eines aus der Fülle der sozialen Probleme des Zionismus und eines aus dem Gebiet der nationalen Arbeit. In Palästina bestand mit dem Einströmen jüdischer Arbeiter aus dem Osten Europas eine immer wachsende sozialistische Bewegung. Für die praktische Arbeit in Palästina mochte sie manche Unbequemlichkeit mit sich bringen, aber man durfte hoffen, dass sie unter klugen Führern nichtzur Störung sondern zur Förderung des Aufbaues des jüdischen Palästina beitragen würde. Das wäre auch zweifellos der Fall gewesen, wenn die angeblichen jüdischen Sozialdemokraten auch gegenüber den aus Russland zu ihnen dringenden Strömungen das geblieben wären,